21.07.2014 von Klaus Holst

Wie entstehen Schlaglöcher? Teil 1: Schlaglöcher auf Schotterwegen

Freispruch für Radfahrer: Schlaglöcher findet man auf Schotterwegen gewöhnlich nur dann, wenn auf diesen Wegen auch Autoverkehr stattfindet. Auf Wegen, die nur von Radfahrern benutzt werden, gibt es wohl gelegentlich mal eine Pfütze und in weichem Untergrund auch mal deutliche Spuren von Fahrradreifen, doch Schlaglöcher kommen kaum vor. Die folgende Bildserie verdeutlicht die Entstehung eines Schlaglochs auf einem (Schotter-)Weg mit wassergebundenem Belag .

Der Weg wird von Maschinen eingeebnet, verdichtet und festgewalzt. Die Verdichtung geschieht jedoch nicht immer gleichmäßig genug, so dass der Bodenbelag durch den Kraftfahrzeugverkehr "nachverdichtet" wird. Diese Nachverdichtung ist jedoch ungleichmäßig und dem Zufall überlassen. Es entstehen leichte Unebenheiten. 

Wenn nun ein Kraftfahrzeug mit seinen breiten Reifen durch eine solche Pfütze fährt, wird das Pfützenwasser aus der Pfütze herausgeschleudert, je schneller der Wagen fährt desto mehr. In diesem Wasser sind auch feine Bestandteile des Bodenbelages, kleine Sandkörner, Steinchen usw. enthalten, sie werden mitsamt dem Wasser ebenfalls in die Pfützenumgebung geschleudert.

Was herausgeschleudert wurde, fehlt an dieser Stelle als Material im Bodenbelag. Die zunächst kleine Bodenunebenheit vertieft sich, ein noch unscheinbares Schlagloch ist entstanden. Das vertieft sich mit jedem hindurch fahrenden Kraftfahrzeug immer mehr.

Wenn fast alles Feinmaterial herausgeschleudert worden ist, bekommt das Schlagloch eine gewisse Stabilität, da es jetzt nur noch aus gröberen Stein(ch)en besteht. Nur noch sehr schnell fahrende Fahrzeuge und solche mit besonders breiten Reifen, z. B. LKWs,  können dann das Schlagloch noch weiter vergrößern. 

Abschließend ist noch die Frage zu klären, warum auf Radwegen keine oder nur wenige Schlaglöcher entstehen. Neben den schmaleren Reifen und dem geringeren Gewicht eines Fahrrades spielt noch etwas anderes eine Rolle: Der Radfahrer versucht, die Pfützen zu umfahren. Er versucht "auf dem Trockenen" zu bleiben, schleudert also kein Wasser und damit auch kein Wegematerial aus der Pfütze heraus. Die Pfütze, wenn sie denn einmal da ist, bleibt so gut wie unverändert. Der Radfahrer beteiligt sich also wenn irgend möglich nicht an der Entstehung und Erweiterung eines Schlagloches.

Kurz zusammengefasst: Schmale Reifen, geringes Gewicht und eine gelenkige Fahrweise, verbunden mit dem Wunsch des Radlers, trockene Füße zu behalten, tragen dazu bei, die Entstehung von Schlaglöchern zu ver(h/m)indern. Oder negativ ausgedrückt: Breite Reifen, großes Fahrzeuggewicht, die Möglichkeit, der Pfütze nicht ausweichen zu können, macht aus einem Weg mit leichten Bodenunebenheiten einen Weg, der einer Knäckebrotscheibe gleicht.  Fortsetzung. folgt

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Kommentar von Walter | 05.03.2015

Super Artikel! In Europa werden die Schlaglöcher oft irreführend mit dem Frost im Winter erklärt (er beschleunigt das Ganze zwar etwas, ist aber nicht die eigentliche Ursache). Dieser Artikel beschreibt das aber perfekt. Und wenn die Schlaglöcher mal da sind, das verschlimmert sich das Ganze so wie ein richtiger Mäander immer weitere Schleifen zieht...