01.01.2012 von PETT MAN SÜLM! Redaktion

Welche Straßenverkehrsordnung gilt in Ostholstein?

Von Rainer Aichele

Wer durch Ostholstein radelt und ein bisschen was von Verkehrsregeln versteht, fragt sich häufig und an vielen Orten, ob in diesem Landkreis dieselbe Straßenverkehrsordnung gilt, wie im übrigen Bundesgebiet. Man reibt sich verwundert die Augen, erinnert sich an den hohen Anspruch, den die Rechtsprechung an Radlerinnen und Radler stellt und fühlt sich zugleich durch die Realität zum Deppen oder für unmündig erklärt. Wendet man sich dann an mutmaßlich zuständige Behörden oder Ämter, gibt es entweder keine Antwort oder den Hinweis, man könne sich nicht um jeden entlegenen Radweg kümmern. Hier folgen ein paar Beispiele, über die man sich ärgern oder nur den Kopf schütteln kann.


(1) Grömitz: 

Hier wurde im Herbst 2010 entlang der Kreisstraße 46 ein Fuß- und Radweg angelegt, der kurz vor dem Teilort Brenkenhagen in einen landwirtschaftlichen Weg mündet. Zu wessen Schutz oder auf wessen Veranlassung eine Umlaufsperre errichtet wurde, konnte nicht festgestellt werden. Fakt ist, dass die asphaltierte Restbreite beiderseits der rot-weißen Schranken lediglich 80 Zentimeter beträgt – bekanntlich dürfen Anhänger hinter Fahrrädern bis zu 100 Zentimeter breit sein.

(2) Kabelhorst: 

Hier wurde vor ein paar Jahren bereits eine Umlaufsperre installiert, hinter der Radfahrer von einem Fuß- und Radweg kommend die Landesstraße queren sollen, wenn sie es denn könnten. Dank zusätzlicher Findlinge stellt diese Umlaufsperre ein fast unüberwindbares Hindernis dar; ein Musterbeispiel für einen „gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr“.

(3) Kreisstraße 1 bei Benz: 

Am Bahnübergang der bereits vor zehn Jahren stillgelegten Bahnstrecke Bad Malente-Gremsmühlen nach Lütjenburg befindet sich am Fuß- und Radweg noch eine Umlaufsperre nach Bauart der Deutschen Bahn. Selbst hier ist noch niemand auf die Idee gekommen, dieses Hindernis - Durchfahrtbreite knapp 90 Zentimeter - zu entfernen. Für eine Fahrtrichtung gibt es sogar noch das Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“. Dreister und dümmer geht’s nimmer!

(4) Göhl:

 Im Zuge der L 59 quert ein Fuß- und Radweg – zugleich der bekannte Radfernweg „Mönchsweg“ – die Bahnstrecke Lübeck – Puttgarden. Für Radler aus Richtung Ortsmitte ist das Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“ aufgestellt und zwar deswegen, weil das für den Autoverkehr geltende am rechten Fahrbahnrand stehende rote Blinklicht für den Radverkehr nicht gilt. Daher ist zur „Enthaftung“ der Behörde das Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“ angebracht, so auch vom Fachdienst Verkehr des Landratsamts in Eutin bestätigt. Unbekannt scheint zu sein, dass Zusatzzeichen – wie der Name schon sagt – nur zusätzlich zu einem amtlichen Verkehrszeichen angebracht sein dürfen.

(5) Neukirchen: 

Die Unkenntnis der Behörden in Sachen Zusatzzeichen zeigt sich auch in der Ortsdurchfahrt von Neukirchen, wo der „Mönchsweg“ als Fuß- und Radweg entlang der Straße „An der Kirche“ verläuft. Auf einer Länge von ca. 40 Metern verengt sich der Fuß- und Radweg ein wenig, weshalb die Behörde aus beiden Richtungen die Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“ angeordnet hat. Auch hier offenbar in Unkenntnis der VwV-StVO, wonach es ausnahmsweise möglich ist, unter Wahrung der Verkehrssicherheit, von den Mindestmaßen an kurzen Engstellen abzuweichen.

(6) Großenbrode I: 

Die Brücke im Zuge der Kreisstraße 42 über die B 207 hinweg wurde vor vier Jahren saniert und laut einer Pressemitteilung wurde dabei auch „der über die Brücke führende Radweg verbreitert“. Vor und nach der Brücke ist der Fuß- und Radweg – zugleich „Mönchsweg“ und „Ostseeküstenradweg“ - jeweils 1,4 Meter breit. Der „Radweg“ auf der Brücke weist die gleiche Breite auf, das Geländer der Brücke wurde sogar auf 1,2 Meter erhöht. Doch irgendwer bekam „kalte Füße“ und die Behörde „enthaftet“ sich auch nach der Sanierung wie schon zuvor mit dem Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“ und zwar ohne amtliches Verkehrszeichen!

(7) Großenbrode II

Bleiben wir in Großenbrode, denn hier gibt es am Bahnübergang in der Strandstraße denselben Fall wie in Göhl zu besichtigen. In Richtung Ortsmitte radelnd erkennt man das Zeichen 240 „Gemeinsamer Fuß- und Radweg“ und darunter das Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen“ – eine wohl einmalige Kombination und nur weil auch hier das links stehende rote Blinklicht allein für den Autoverkehr aber nicht für den Rad- verkehr „wahrnehmbar“ ist! 

Hier wie an vielen noch in Fortsetzung zu schildernden Beispielen gilt die Unschuldsvermutung zugunsten der Behörde, denn Hauptsache der „Dienstweg“ wurde eingehalten!

Rainer Aichele


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