08.06.2012 von Klaus Holst

Weit Radfahren mit radweit:

Die geniale kostenlose Landkarte für lange Strecken

Routenplan von Flensburg nach Lübeck
Routenplan von Flensburg nach Lübeck

Von Lübeck nach Berlin? Von Flensburg nach Bremen? Oder soll es lieber von Kiel nach Hannover gehen? Ganz einfach, man nehme: ein tourentaugliches Fahrrad, wenig Gepäck und eine Karte von www.radweit.de!

Poster mit Übersicht aller radweit-Routen
Poster mit Übersicht aller radweit-Routen

Da hat ADFC-Mitglied Ulrich Lamm ganze Arbeit geleistet! Er hat präzise Karten zusammengestellt mit schnellen Fahrradverbindungen durch ganz Deutschland und in einige Nachbarländer. Eine großartige Idee wurde hier mit Sorgfalt und größter Genauigkeit ausgeführt!

  • Der Grundgedanke: Das Fahrrad als schnelles Verkehrsmittel für mittelweite und weite Fernverbindungen.
  • Das Prinzip: Möglichst direkt, möglichst Asphalt, möglichst wenig Autos, nicht zu viele Berge. 

Die Routen sind eingezeichnet in Zusammenschnitte topografischer Karten im Maßstab 1 : 100.000. Durch Aufteilung in Streifen haben auf einer DIN A4-Seite Strecken bis zu 200 km Länge Platz. Bei unübersichtlichen Ortsdurchfahrten sind die Straßennamen vermerkt oder sogar kleine Stadtpläne angefügt. Die Karten lassen sich ausdrucken und sehr handlich im Kartenfach der Lenkertasche unterbringen. Wer die nötige Geduld hat, kann vorbereitend auch die einzelnen Kartenstreifen aus dem DIN A4-Blatt ausschneiden und aneinander kleben. Das muss aber nicht sein, doch dann hat man seinen Weg in einem Stück vor sich und braucht beim Fahren nicht die Anschlüsse der einzelnen Streifen zu suchen. 

Ulrich Lamm hat freundlicherweise für PETTMANSÜLM ein paar Fragen zu seiner radweit-Seite beantwortet. Hier folgt das Interview:

PMS: Was hat dich auf die Idee gebracht, diese Karten zu entwickeln?
Ulrich Lamm: Anlass, Routen unabhängig von Wegweisungen darzustellen, war die Einweihung der „BahnRadRoute Weser-Lippe“: Deren Umwege (gegenüber den von mir zwischen Bremen und Bielefeld gefahrenen Routen) machten mir klar, dass Landkreise und Tourismusverbände Fahrradwegweisungen aufstellen, um Radtouristen in ihrem Gebiet zu halten und nicht, damit man große Entfernungen angenehm per Rad bewältigen kann. Wegweisungsunabhängige Routen lassen sich leichter in Kartenform darstellen als mit endlos viel Text. Die Kartendarstellung hat noch weitere Vorteile:
Wo den Bedürfnissen verschiedener Nutzer verschiedene Wege entsprechen, lassen sich die Varianten übersichtlich nebeneinander stellen.
Die Radreisenden sind auch freier, nur Teile einer Route zu nutzen. 
Die Darstellung als Collage aus schmalen Kartenstreifen spart viel Papier
PMS: Welche Schritte sind erforderlich, um eine radweit-Karte anzufertigen? 
UL: Erst präpariere ich die Kartengrundlage. Ich entferne die Schummerung und Schatten vom Scannen. Und ich ändere die Signaturfarben so, dass in der Farbpalette Platz für Fahrradsignaturen ist und dass Karten verschiedener Vermessungsbehörden zusammenpassen.
PMS: Konntest du alle Strecken selbst abradeln?
UL: Primär von mir ausgetüftelte Strecken (das sind die meisten) bin ich vor der ersten Darstellung selber geradelt. Oft starte ich mit einem Entwurf erster Wahl und Ausweichmöglichkeiten. Für manche Verbindungen fand ich erst nach einem zweiten oder dritten Anlauf eine überzeugende Route. Primär von Anderen erarbeitete Strecken wurden vor meiner Erstdarstellung von denen geradelt. Möglichst alle zwei Jahre radle ich die Strecken wieder, dann auch die Routen von Ko-Autoren. Dadurch bin ich alle Strecken außer Regensburg–Passau auch schon selber geradelt, die meisten zuletzt innerhalb der letzten zwei-drei Jahre.
PMS: Hast du die Möglichkeit, die Karten aktuell zu halten?
UL: Meistens aktualisiere ich die Kartengrundlage durch Einzeichnen von Nachträgen. Hier und da habe ich auch eine jüngere Kartenausgabe neu eingescannt, bearbeitet und mit den Routeneinträgen versehen. Wegen des Arbeitsaufwandes sehe ich Neuauflagen der verwendeten Kartengrundlagen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
PMS: Was unterscheidet die radweit-Wege von touristischen Radfernwegen und von den D-Routen?
UL: Sie sind nicht nur angenehm zu radeln. Sie ermöglichen auch, große Entfernungen in relativ kurzer Zeit zurückzulegen, Fahrradreisen, die Motorverkehr ersetzen und nicht indirekt Motorverkehr erzeugen.
PMS: Siehst du die zunehmende Verbreitung von GPS-Geräten als "Konkurrenz"? 
UL: Beim Bestreben, unabhängig von Wegweisungen zügig voran zu kommen und ausgewiesene und ausgebaute Radwanderwege nur da zu nutzen, wo sie dafür geeignet sind, kann GPS-Navigation eine große Hilfe sein. Ich bin auch dabei, zu allen radweit-Routen GPS-Tracks zu erstellen. Mit GPS-Tracks ist es aber schwieriger, Zusatzinformationen einzufügen, und schwieriger, den Nutzern auch für kurze Teilstrecken die Wahl zwischen Alternativen anzubieten. Und wo in letzter Zeit das Straßen- und Wegenetz verändert wurde, können Nutzer mit einem aktuellen Track über einer veralteten Karte Probleme bekommen. Nicht zuletzt beeinträchtigt es für mich die Freude am Radfahren, wenn man dafür ein elektrisches Gerät brauchen soll.
PMS: Wie groß ist die Nutzerzahl der radweit-Karten?
UL: Die Statistik meines Webhosters verzeichnet etwa 300 000 Sitzungen pro Jahr.
PMS: Welche Pläne hast du zukünftig für radweit?
UL: Ich möchte gerne noch Routen von der Lausitz nach Wien, von Berlin nach Krakau und vom Breisgau ins französische Zentralmassiv erstellen. Mit dem schrittweisen Ersatz von Kopfsteinpflaster durch Asphalt auch auf kleinen Landstraßen in Sachsen-Anhalt könnte sich eine grundsätzliche Änderung der Route von Magdeburg nach Leipzig ergeben. Es gibt auch noch Lücken in Deutschland, etwa eine Verbindung von Hamburg ins Wesertal. Unendlich ausbauen darf ich die Seite aber nicht, sonst lassen die Routen sich nicht ausreichend pflegen. Ich sollte auch die Nutzer zu mehr Feedback anregen: Hin und wieder kommt ein Dank per Mail, über den ich mich natürlich freue. Wichtig für die Pflege der Seite sind aber Informationen über aktuelle Veränderungen. Ob jemand sich beispielsweise über eine ein Jahr lang gesperrte Brücke einfach nur ärgert, sie irgendwo im Netz in einem Reisebericht erwähnt oder mich per Mail informiert, ist Glücksache.
PMS: Wir danken herzlich für die Beantwortung der Fragen, vor allem danken wir für dein Engagement im Interesse aller Radler!

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