20.08.2015 von Klaus Holst

Von kippelig bis zuverlässig: Parkstütze und Parkbremse

Eine zweibeinige Parkstütze

Die Fahrrad- oder Parkstütze – im allgemeinen Sprachgebrauch Ständer genannt – ist zum Fahren zwar nicht erforderlich, doch das „Parken“ eines Fahrrades lässt sich mit ihrer Hilfe einfach und problemlos bewerkstelligen. Ergänzend dazu erleichtert eine Parkbremse das Abstellen des Fahrrades zusätzlich. Parkstützen werden bekanntermaßen in etlichen Ausführungen angeboten, dagegen gibt es die Parkbremse nur als Marke Eigenbau.

Da ist zunächst die einfache, einbeinige Parkstütze, die unmittelbar hinter dem Tretlager befestigt ist. Vorteil: Sie ist schnell „zur Hand“, da sie sich unmittelbar in Pedalnähe befindet. Wenn sie längenverstellbar ist, gibt es auch keine Probleme beim Anpassen der Stütze an das Fahrrad. Nachteil: Ist das Rad beladen, steht es nur bei sehr ebenem und festem Untergrund sicher. Außerdem kann die Tretkurbel beim Herunterklappen der Stütze leicht im Wege sein. Hat das Rad eine Nabenschaltung, ist das Rückwärtsschieben durch das Mitdrehen des Kettenrades nur stark eingeschränkt möglich, weil dabei die Stütze dem sich rückwärts mitdrehenden Tretarm im Wege ist.

Probleme kann es auch geben, wenn die Stütze keine verstellbare Länge hat, dann muss sie auf die richtige Länge gekürzt werden. Hier gilt schnell das Heimwerkermotto: Dreimal abgesägt und immer noch zu kurz! Und selbst, wenn sie anfangs die richtige Länge hatte, kann sich die Stütze durch das „Ausleiern“ des Gelenkes so weit abspreizen, dass das Rad zu stark geneigt steht, und daher leicht kippt.

Eine andere Variante ist die Zweibeinstütze, die ebenfalls hinter dem Tretlager befestigt wird. Es gibt sie als starre Zweibeiner oder auch faltbar, dann liegen die beiden „Beine“ parallel übereinander und sind kaum von einer einbeinigen Stütze zu unterscheiden. Vorteil beider Varianten: stabiler Stand auch bei beladenem Rad. Nachteil: Zu jedem Ausklappen der Stütze muss das Fahrrad angehoben werden. Das ist schon bei leerem Fahrrad lästig, erst recht, wenn es beladen ist. Hinzu kommt, dass die Vorderradgabel leicht umschlägt, da sie einige Zentimeter über dem Boden schwebt und unbelastet ist. Hier kann eine kleine Spiralfeder Abhilfe schaffen, die die Gabel mit dem Rahmen verbindet und so das Vorderrad in „Geradeausstellung“ hält.

Bei modernen Trekkingrädern ist heute meistens eine Hinterbau-Parkstütze verbaut. Dazu sind werksseitig Gewinde an der Strebe nahe der Hinterachse zur Befestigung vorgesehen. Vorteil dieser Stütze: Das Rad steht auch bei Beladung, z. B. durch Packtaschen, sicher. Nachteile: sind nicht bekannt. Fehlt die werksseitige Befestigungsvorrichtung, kann die Stütze an den hinteren Rahmenstreben mit Schellen angeschraubt werden. Bei Fahrrädern mit Rücktrittbremse und fehlender werksseitiger Befestigungsvorrichtung ist für die Befestigungsschellen jedoch kein Platz, da die Drehmomentstütze des Rücktritts im Wege ist und einen sicheren Einbau erschwert. Es gibt zwar Parkstützen, die auf die Hinterachse geschraubt werden können, allerdings sind diese wenig stabil und daher nicht empfehlenswert.

Auch für Lowrider (= Packtaschenhalter links und rechts der Vorderachse) gibt es eine Stütze im Handel. Sie ist direkt am Lowrider befestigt, wird als Zweitstütze bei vollbeladenem Fahrrad verwendet und sieht aus wie eine Einbeinstütze im Kleinformat. Reiseradler, die häufig mit vier Packtaschen und Lenkertasche unterwegs sind, schwören darauf. Für den Alltagsradler ist sie entbehrlich.

Eine hilfreiche Ergänzung beim Parken des Fahrrades ist die „Parkbremse“. Sie bewirkt, dass eines der Laufräder – zweckmäßig das Vorderrad – blockiert ist, und dadurch ein stabilerer Stand erreicht wird: Das Rad rollt nicht weg. Bei den einbeinigen Stützen verhindert die Parkbremse, dass sich das Vorderrad selbständig macht. Denn wenn das leicht quer stehende Vorderrad etwas auf dem Boden rollt – wodurch der Aufstandspunkt des Reifens auf dem Boden seitlich wegwandert – dauert es nicht lange, bis das Rad umkippt.

Die Parkbremse besteht aus einer simplen Wäscheklammer. Sie wird bei angezogener (Vorder-)Bremse auf das aus dem Bremshebel herausgezogene Bremsseil geklammert. Einfacher geht es nicht! Selbst wenn man das Rad nur irgendwo anlehnt, ohne die Stütze auszuklappen, steht es damit relativ stabil. Schließlich funktioniert die Parkbremse auch beim Kurzparken vorm Bäckerladen als Wegfahrsperre, doch sollte sie lieber nicht als Schlossersatz benutzt werden!.

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