04.04.2013 von Heinz-Jürgen Heidemann

Verkehrswende nimmt Fahrt auf

Pluspunkte gibt es nur, wenn die Qualität stimmt

Mobilität bewegt Menschen
Umweltverträglichkeit und die Orientierung an sozialen Werten stehen keineswegs in Widerspruch zu aktivem Mobilitätsverhalten. Dies wird von einem immer größer werdenden Teil der Bevölkerung erkannt. Um die Erkenntnis in reales Handeln umzusetzen, bedarf es eines entsprechenden Angebotes. Hier ist die Politik gefordert, durch eine Steigerung der Attraktivität die Alternativen zum motorisierten Individualverkehr (MIV) zu verdeutlichen.

Etwa 40 % aller im MIV durchgeführten Fahrten erfolgen über eine Strecke bis zu fünf Kilometern, bei drei Viertel sind es nicht mehr als zehn Kilometer (Quelle: Mobilität in Deutschland 2008).  Sowohl in vielen Städten als auch im ländlichen Raum verhindert die bislang vorherrschende Priorisierung des Kraftverkehrs bei der Verkehrsinfrastruktur eine mögliche stärkere Nutzung des Fahrrads.

Verkehrsregelungen – aber sicher

Die Bedürfnisse des Radverkehrs systemgerecht in der Infrastruktur zu berücksichtigen ist die Hauptanforderung an eine qualitäts- und sicherheitsorientierte Radverkehrsförderung. Entsprechende Regelwerke und Richtlinien liegen den Behörden vor. Hierzu gehört auch das höchstrichterlichen Urteil zur Führung des Radverkehrs auf der Fahrbahn als Regelfall. Leider werden diese Erkenntnisse - wenn überhaupt - oft nur fragmentarisch umgesetzt. 

Nun sind wie alle VerkehrsteilnehmerInnen auch die RadfahrerInnen in der Pflicht, die  Regelungen der StVO einzuhalten. Auf der anderen Seite ist von der Verkehrsaufsicht zu fordern, die Belange des Radverkehrs in gebührendem Maße zu berücksichtigen. So ist keineswegs nur vereinzelt das VZ250 (Verbot für Fahrzeuge aller Art) an ausgewiesenen Fahrradrouten anzutreffen; oder Ampelschaltungen berücksichtigen bei Anforderungsschleifen nicht den Radverkehr, „Radwegstummel“ von wenigen Metern führen insbesondere an Verknüpfungen zur Verunsicherung aller VerkehrsteilnehmerInnen usw.


Kosten verdeutlichen

Unter Fachleuten kein Geheimnis: Die volkswirtschaftlichen Kosten für den gefahrenen Kilometer im PKW sind ein vielfaches höher als bei anderen Verkehrsmitteln. Für den Nutzer eines PKWs verspricht die Werbung der Automobilindustrie geradezu grenzenlose Freiheit und Sicherheit. Natürlich wird auch hier der wahre Preis unterschlagen. Beim klassischen „Brötchen holen mit dem eigenen Wagen“ verdoppelt sich nicht selten der Preis des Einkaufs.


Qualität einfordern

Um die gewünschte Erhöhung des Radverkehrsanteils am Verkehrsaufkommen mit all seinen Vorteilen für den Einzelnen und die Gesellschaft möglichst zügig

zu generieren bedarf es einer Qualitätsoffensive aller, die für das Verkehrsgeschehen Verantwortung tragen. In der Realität rangiert der Radverkehr derzeit doch noch häufig als nachrangig gegenüber den Forderungen der Kraftfahrzeuglobby. Dabei sollte das Bewusstsein vorhanden sein, dass die notwendige Qualität nicht zum Nulltarif erreichbar ist. Aber die Gesellschaft ist bereit, Geld dafür auszugeben, was als wichtig erkannt wird. Dies in der Politik zu verdeutlichen ist eine der Aufgaben des ADFC.

Heinz-Jürgen Heidemann







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