27.02.2015 von Wolfgang Behrens

UNSERE Tour de France 2014

Ein Bericht über eine Rennradtour von Elmshorn nach Paris

Bereits zum dritten Mal machten sich sechs Radler der Fahrradgruppe Rückenwind aus Elm- shorn auf den Weg, um „Strecke zu machen.“ Nachdem sie bereits im Jahre 2012 die Anfahrt zum Bodensee-Marathon per Rennrad zurückgelegt hatten und im letzten Jahr nach Kopenhagen gefahren waren, sollte es dieses Mal in sieben Tagen nach Paris gehen. Passend zur geplanten Route wurde ein Trikot angefertigt, auf dem die geplante Route dargestellt war.

Am Ziel

Nach dem obligatorischen gemeinsamen Frühstück ging es bei frischen südwestlichen Winden mit der Elbfähre in Richtung Bremen. Schon beim Verlassen der Fähre gab es den ersten Knall: eine gebrochene Speiche, die wir jedoch in Bremen ersetzen konnten.

Doch bis dahin galt es auch noch einige Regenschauer und Plattfüße zu überstehen. Ein Mittagessen bei der Tochter eines Mitfahrers in Bremen gab uns die nötige Energie, um unser Etappenziel in Cloppenburg zu erreichen. Als wir dort ankamen, zählten wir insgesamt sechs Plattfüße für 217 km, - ein neuer Rekord bei unseren Ausfahrten.

Unsere Tour führte uns am nächsten Tag durch das östliche Niedersachsen, das seinen landwirtschaftlichen Schwerpunkt Schweinezucht nicht verbergen konnte. Es radelte sich ruhig und entspannt, bis wir nach 179 km in Gaanderen in der Provinz Gelderland (NL) in einem idyllisch gelegenen Bett & Bike (B&B) - Betrieb ankamen. Die Straßenverhältnisse für Radfahrer sind dort einfach vorbildlich, auch wenn die Straßen zuweilen sehr gerade und sehr lang sein können.

Nach einem kurzen Abstecher nach Emmerich und Kleve in Nordrhein-Westfalen ging es „formlos“ wieder zurück in die Niederlande. Hinter Eindhoven grüßte schon bald das bel- gische Königreich mit einer deutlichen Verschlechterung der Straßen und der Fahrradwege, sofern diese überhaupt vorhanden waren. Wir sehnten uns in die Niederlande zurück.

Ein Ferienpark in Mol war nach 135 km unser nächstes Etappenziel. Dort hatten wir im zentral gelegenen Hotel unsere Zimmer gebucht. Leider war die Hauptsaison vorbei, nur eines der vier Restaurants hatte noch geöffnet und bot für viel Geld nur Nebensaison-Qualität. Aber die Duschen waren heiß und das Frühstück annehmbar.

Am nächsten Tag sollte es nach Waterloo gehen, nur 114 km, aber dafür mit Stadtfahrt in und durch Brüssel. Die gestaltete sich sehr schwierig, denn es gab zahlreiche Baustellen. Dadurch waren die separaten Busspuren ge- sperrt, die wir als Radfahrer normalerweise benutzen konnten.

Es war ein heißer Ritt durch die Stadt. Bei der Stadtbesichtigung durfte der prächtige Grand Place genauso wenig fehlen, wie das Männeken Pis. Schnurstracks ging es danach raus aus der Stadt immer in Richtung Waterloo, denn dort war unser nächstes B&B-Quartier. Schnell noch ein Blick auf den berühmten Löwenhügel, direkt am Schlacht- feld von 1815, dann sollte es zum Quartier gehen.

Doch es galt noch ein Pavé von 2 km Länge zu überstehen. (Pavé lt. Wikipedia: Kopfsteinpflasterpassage; Wege, teils noch aus dem 19. Jahrhundert stammend). Dies ging leider nicht ohne Blessuren ab, da ein Radlerkollege beim Versuch, auf den Seitenstreifen überzuwech- seln, stürzte und sich glücklicherweise nur Hautabschürfungen am Knie zuzog. Fazit: Wer niemals eine Pavé befahren hat, kennt kein Kopfsteinpflaster.

Frisch verbunden und medizinisch versorgt, ging es am nächsten Morgen in Richtung Paris bis zum nächsten Etappenort Saint Quentin (148 km) weiter. Auch dort hatten wir mit dem vorab gebuchten Quartier Glück und fanden in einer alten umgebauten Weberei Unterschlupf. Mit dem Überschreiten der französischen Grenze änderten sich auch wieder die Bedingungen für die Radfahrer: die separaten Wege wurden zahlreicher und die Streifen an den Schnellstraßen breiter.

Imposanter wurden auch die Kirchen, nicht nur hinsichtlich der Größe und des Alters, auch die Anzahl dieser großen Kirchen selbst in kleineren Städten war bemerkens- wert. Genauso bemerkten wir auch die zahlrei- chen Gedenkstätten an den Ersten Weltkrieg, hier in der Nähe wurde vor genau 100 Jahren der deutsche Vormarsch durch die Schlacht bei Saint Quentin gestoppt.

Am vorletzten Tag pedalierten wir 128 km bis vor die Tore von Paris. Durch Compiègne ging es in den Wald von Chantilly und Lamorlaye. Ein Eldorado für all diejenigen, die sich gerne Vil- len ansehen. In einem schicken Bungalow aus den 1960er Jahren fanden wir eine prächtige Unterkunft.

Nach einem ausgiebigen und reichhaltigen Frühstück ging es dann auf die letzte Etappe: hinein nach Paris. Der Verkehr in den Vororten war noch nicht so ungewohnt, erst als wir uns dem Zentrum näherten, verstärkte er sich und erhöhte auch unseren Pulsschlag. Häufig konnten wir auf den Fahrradstreifen neben der Fahrbahn radeln, manchmal sogar Fahrradwege nutzen. Am späten Vormittag erreichten wir dann nach 39 km unser Stadthotel direkt an der Gare de l‘Est, unserem Startort für die Heimfahrt am nächsten Tag.

Doch vorher wollten wir natürlich noch unser Zielfoto mit dem Eiffelturm machen. Die dann absolvierten 26 km Stadtverkehr gehören in die Rubrik „muss man mal gemacht haben!“ Pariser Stadtverkehr, Fahren auf der Bus-Spur und zwischen den Bussen, Kopfsteinpflaster auf den Champs Elysees und die zweimalige Umrundung des Arc de Triomphe werden uns in der Erinnerung bleiben. Aber im Gegensatz zu den deutschen Großstädten ging es sehr gesittet zu: kein Hupen, kein Abdrängen oder Schneiden, wir wurden wahrgenommen und akzeptiert.

Nach dem Genießen des Pariser Nachtlebens am Montmartre nutzten wir den nächsten Tag, um uns zu Fuß zumindest einige Sehenswürdigkeiten anzusehen; Paris ist mehr als eine Reise wert! Als wir am Abend den Liegewagen des Nachtzuges* bestiegen, fand eine interessante Reise durch unterschiedlichste Landschaften, auf sehr verschiedenen Straßen und durch große und kleine Städte ihr Ende.

Wir hatten insgesamt 1002 km in rund 43 Stunden absolviert und waren von elf Plattfüßen und einer geris- senen Speiche betroffen. Das wird uns aber nicht davon abhalten, auch im Jahr 2015 eine ähnliche Tour zu planen und zu fahren.

Wolfgang Behrens

*Anm. d. Red.: Diese fahrradfreundliche Direktverbindung zwischen Hamburg und Paris gibt es leider im Jahr 2015 nicht mehr.

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