02.01.2014 von Klaus Holst

"Traumrad" - Auf der Suche nach dem besten Fahrrad der Welt

Buchkritik

In seinem Buch "Traumrad - Auf der Suche nach dem besten Fahrrad der Welt" erzählt der Autor Robert Penn, wie er sich aus bestmöglichen Bauteilen sein Traumfahrrad zusammenstellt. Doch gleichzeitig erfährt der Leser vieles über die Kultur- und Technikgeschichte des Fahrrades. Und diese Vielseitigkeit ist es, die das Buch lesenswert macht. 

Spannend geht es los mit der Erfindung der Draisine. Der Anlass für deren Erfindung war der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesion im Jahre 1815, Millionen Tonnen von Asche wurden in die Atmosphäre geschleudet und trieben als Aschewolken um den Erdball. Die Folge war eine Abkühlung um mehrere Grad und das totale Ausbleiben des Sommers im folgenden Jahr. Menschen verhungerten, Tiere mussten notgeschlachtet werden, auch viele Pferde blieben nicht verschont. Und gerade der Mangel an Pferden war es, der den Adeligen Drais zu der genialen Erfindung des Ur-Fahrrades veranlasste.

Er montierte zwei Kutschenräder unter eine Art hölzerner Bank, auf die er sich rittlings setzen konnte, so wie er es vom Reiten gewohnt war. Um lenken zu können, musste eines der Räder drehbar angebracht sein. Durch die Möglichkeit, lenken zu können, konnte er das Gleichgewicht halten. Dass es möglich war, auf zwei in Linie angeordneten Rädern fahrend das Gleichgewicht zu halten, konnte man sich bis dahin nicht vorstellen. Drais wurde damit der Erfinder des einspurigen Zweiradprinzips, für das es kein Vorbild gab. 

Mit diesem Rückblick steigt der Autor gleich in die Geschichte des Fahrrades ein und behält immer wieder die Entwicklung der einzelnen Bauelemente im Blick. Er beschreibt deren Entstehung, Verbesserung und Vervollkommnung. So erfährt der Leser zunächst alles über den perfekten Rahmen und seine Entwicklungsgeschichte. Weiter geht es mit dem Lenksystem, dem Antrieb, den Laufrädern und dem Sattel.

Jedes Mal geht es um die Geschichte, die Fertigungstechnik, die Verbesserung und die Bedeutung des Bauteils für die Fortentwicklung des Prinzips Fahrrad. Dabei stellt er nicht nur die Erfinder oder Perfektionierer der Bauteile vor, sondern auch die begeisterten und oft kauzigen Fahrradhändler und -schrauber, die er persönlich aufsucht, um sich von ihnen über das jeweils beste Komponententeil beraten zu lassen. 

Auch die Kultur- und Sozialgeschichte des Fahrrades streift der Autor immer wieder: Die ersten Versuche mit der Draisine, dann das Hochrad als Modefahrzeug aristokratischer Kreise, der Fahrradhype nach der Erfindung des Sicherheitsniederrades gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die Radrennszene vor dem Ersten Weltkrieg und schließlich das Fahrrad als Fahrzeug des kleinen Mannes bis in die fünfziger Jahre.

Daneben geht er auf die Bedeutung der entstehenden Fahrradproduktion für die industrielle Entwicklung ein. Aus erstaunlich vielen kleinen Fahrradherstellern sind oft Autofabriken oder andere große Firmen hervorgegangen, von denen es sogar heute noch welche gibt. Spannend und begeisternd schildert der Autor das alles in seinem Buch, und es gelingt ihm, seine Leser mit seiner Begeisterung für das Thema Fahrrad anzustecken. 

Da das Buch von einem Engländer geschrieben ist, steht vor allem die Fahrradentwicklung in Großbritannien und in den USA im Mittelpunkt, Kontinentaleuropa wird nur gelegentlich erwähnt. Dem Übersetzer gelingt es nicht immer, sich ganz vom englischen Original-Text zu lösen, so dass er manche Formulierung aus dem Englischen übernimmt, deren Übersetzung zwar verständlich, aber stark nach englischem Deutsch klingt. Einer der schönsten Sätze aus dem Buch brauchte jedoch nicht erst übersetzt zu werden, da er von Albert Einstein stammt: "Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muss sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren." - Viel Spaß beim Lesen!

Titel: Robert Penn, Traumrad - Auf der Suche nach dem besten Fahrrad der Welt, Malik-Verlag, ISBN 978-3-492-40443-3, 12,99 EUR

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