22.09.2014 von Frank Spatzier

Stadtradeln macht süchtig...

Drei Wochen lang wurde geradelt, was das Zeug hielt. Umwege wurden gefahren, Morgen- und Abendtouren gemacht, sogar eine Radreise ums Stettiner Haff war dabei. Und das alles, um Kilometer zu machen für die Aktion Stadtradeln. 

 

In Lübeck fand diese vom 30. August bis 19. September statt. In dieser Zeit galt es für die teilnehmenden Teams, für das Klima zu radeln - je mehr, desto besser. Mit dabei war diesmal auch ein Teil der PETT MAN SÜLM - Redaktion, und zwar im Team der Rockband Liquid Sky. Und das mit Erfolg: Claudia Santamaria, Joachim Haindl und Frank Spatzier erradelten immerhin 2.972 Kilometer.

 

Das entspricht 991 Kilometern pro Mitglied, womit das Team Liquid Sky das fahrradaktivste Team Lübecks ist. Eine bemerkenswerte Leistung, die viel Schweiß gekostet hat. Doch nun ist die Aktion vorbei. Leider, muss man sagen. Denn das alltägliche Vielradelm hat oft den Tagesablauf bestimmt. Wie sehr, lesen Sie im folgenden Erfahrungsbericht.    

 

Der Wecker klingelt mitten in der Nacht. Ich mache mich fertig und dann auf den Weg zur Arbeit. Noch bis vor Kurzem habe ich mich darüber gefreut, dass mein Arbeitsplatz fast um die Ecke liegt. Doch jetzt finde ich das weniger gut. Die paar Kilometerchen bringen meine Bilanz kaum weiter. Also mal schnell ein paar Umwege gefahren, damit die Zahl auf dem Tacho steigt. Auch wenn‘s nur Peanuts sind. Das berühmte Kleinvieh eben.

 

Das Gute an einer Frühschicht ist, dass der Feierabend in die Mittagszeit fällt. So bleibt noch viel Zeit zum Radeln. Also nichts wie rauf auf‘s Rad und losgefahren. Zum Beispiel zum Ratzeburger See und wieder zurück. Die Runde über Herrnburg, Duvenest, Schattin, Rotenhusen und Groß Grönau nach Lübeck bringt immerhin über dreißig Kilometer. Dann noch ein bisschen herumgeradelt, um noch ein paar Meilen draufzupacken. 

 

An anderen Tagen haben wir uns zu längeren Touren verabredet. Dann ging es etwa zu den Ostseebädern oder ins mecklenburgische Umland von Lübeck. Natürlich gab es noch weitere Möglichkeiten zur Verbesserung unseres Teamergebnisses. So benutzte Claudia öfter mal das Fahrrad für ihren Schulweg von Lübeck nach Mölln. Für mich war die Landesversammlung des ADFC Schleswig-Holstein der optimale Anlass zum Kilometersammeln. Von Lübeck sind es immerhin 145 Kilometer bis Schleswig. Klar, dass da die Rücktour Teamwork wurde: Claudia und Joachim kamen mir entgegen, ab Plön waren wir zu Dritt.

 

Noch am letzten Tag der Aktion radelten Joachim und ich bis tief in die Nacht hinein. Und das, obwohl mich ein grippaler Infekt langsam niederzustrecken drohte. Claudia kam an diesem Tag übrigens ähnlich tief im Dunkeln nach Hause - auf ihrem Heimweg aus Mölln.

 

Und jeden Abend dasselbe Ritual. Die Website von Stadtradeln aufrufen, einloggen und die geradelten Kilometer in den Radelkalender eintragen. Danach der gebannte Blick auf die Statistik: Wo liegen wir? Wie hoch ist unsere Gesamtleistung? Wie groß ist unser Vorsprung als fahrradaktivstes Team? Können wir noch eingeholt werden?

 

Und jetzt ist alles vorbei. Katerstimmung folgt der Euphorie. Immerhin haben wir es geschafft, mit 991 Kilometern pro Teammitglied das fahrradaktivste Team Lübecks zu werden. Gut, bei drei so fahrradsüchtigen wie langstreckenerprobten Mitgliedern gibt es gewisse Vorteile vor der „Konkurrenz“. Diese kann im Gegenzug mit hohen Gesamtkilometerleistungen punkten, die nur mit großen Teams möglich sind.

 

Doch jetzt fehlt es irgendwie, das tägliche Kilometersammeln. Fast schon erscheint der Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Garten sinnentleert. Keine Umwege müssen mehr gefahren, keine Radtouren mehr eingeschoben werden. Und diese Tristesse am Abend. Da gibt es nichts mehr einzutragen. Und auch keinen Fortschritt mehr zu beobachten, kein Mitfiebern und keine Vorsätze für die nächsten Tage. 

 

Ich ertappe mich dabei, wie ich mich heimlich einlogge. Einfach nur so, Kilometer kann ich nicht mehr eintragen. Dann schaue ich gabannt auf die Teamergebnisse, die sich nicht mehr verändern werden. Ich zittere leicht. Bin ich süchtig geworden? Kann sein. Aber wenn, dann immerhin für einen guten Zweck: die Bedeutung des Radverkehrs aufzuzeigen und das Klima zu schonen.

 

Denn nach dem Stadtradeln ist vor dem Stadtradeln. 2015 gibt‘s eine neue Runde. Und klar ist bereits: Im nächsten Jahr müssen wir unser diesjähriges Ergebnis übertrumpfen!       

 

Weitere Infos:

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