01.04.2011 von Klaus Holst

Schleswig-Holsteinische Fahrräder bei Dieben besonders beliebt

Das Verbraucherportal „geld.de“ befragte 60 Polizeidirektionen der größten Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach der Anzahl und der Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen. Danach belegen Schleswig-Holstein unter den Bundesländern und Lübeck unter den Städten die vorderen Plätze! Auch wenn bisher nur die Statistik von 2009 vorliegt, im vergangenen Jahr 2010 war es nicht anders: Tausende Fahrräder sind entwendet worden. Grund genug für das Verbraucherportal „geld.de“ einmal zu untersuchen: Wo sind eigentlich die Fahrrad-Klau-Hochburgen in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Das Ergebnis: Nicht Berlin, Hamburg, Wien oder Zürich, sondern die Fahrradhauptstadt Münster ist die Klau-Hochburg schlechthin, hier werden 1971 Fahrräder pro 100.000 Einwohner gestohlen, d.h. ca. 15 Räder täglich. Doch auch wir im Norden liegen weit vorn, Lübeck rangiert von den untersuchten 60 Städten immerhin an sechster Stelle (1.287 Diebstähle pro 100.000 Einwohner), Schleswig-Holstein nimmt sogar den Platz 1 unter den Flächenländern ein! Die diebstahlsicherste Stadt Deutschlands ist der Studie nach übrigens Stuttgart. Dort wurden nur 145 Fahrraddiebstähle pro 100.000 Einwohner verbucht. Ein Grund mag darin liegen, dass dort das Radfahren wegen der hügeligen Topografie nicht so verbreitet ist wie bei uns im Norden. Sicher lebt es sich für Fahrrad-Liebhaber jedoch auch in Wuppertal (212 Diebstähle pro 100Tsd), Essen (222) oder Wiesbaden (223). Da die Polizei nicht den typischen Fahrraddieb präsentieren konnte, versuchten die Forscher auf andere Art, sich der Wahrheit möglicherweise etwas zu nähern. Einerseits wurde ein Blick auf die geografische Lage geworfen. Dabei interessierte: Werden in Städten, die grenznah zum Beispiel zu Polen oder Tschechien liegen, wie Dresden, Chemnitz oder Cottbus, überdurchschnittlich mehr Fahrräder geklaut als in anderen Städten? Die Antwort: Ein klares Nein. Auf Grund dessen, dass die bekannte Studentenstadt Münster die meisten Fahrraddiebstähle je 100.000 Einwohner aufzeigt, wurde als weiteres mögliches Täterprofil untersucht, ob in Städten mit einer hohen Anzahl an Studenten mehr Fahrräder geklaut werden, zumal Fahrräder zu den Lieblings-Fortbewegungsmitteln von Studenten gehören. Das Ergebnis: Auch hier gibt es keinen kausalen Zusammenhang, der über alle Regionen verteilt diese These stützen könnte. Beispiel Darmstadt, hier sind 22,3 Prozent der Einwohner Studenten. Dennoch werden in Darmstadt zu einem Drittel weniger Fahrräder geklaut als in den anderen Städten. In Lübeck sind nur 12 Prozent der Einwohner Studenten, und trotzdem ... Eines haben die untersuchten Städte aber gemeinsam: Die Fahrraddiebstähle werden nur zu einem sehr geringen Prozentsatz aufgeklärt. Als Gründe für schlechte Aufklärungsquoten gibt Elke Schönwald, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Mittelfranken, beispielsweise an: „Eine Spurensicherung ist beim Fahrraddiebstahl leider nur sehr schwer möglich.“ Dass überhaupt Fahrräder gestohlen werden, daran sei in vielen Fällen auch die Nachlässigkeit der Halter schuld, so Sirko Eckert, Leiter der Ermittlungsgruppe „Fahrräder“ in Magdeburg: „Beim Fahrradkauf wird richtig Geld investiert. Das Sicherheitsschloss ist dagegen meist eine 08/15-Ausgabe“. Viele Schlösser ließen sich sehr leicht mit Bolzen- oder Seitenschneidern öffnen. Ein Profi braucht keine 20 Sekunden. Die oft praktizierte Codierung der Räder sei entgegen landläufiger Meinung kein Diebstahlschutz. Auch beim Fahrrad-Klau gibt es das berühmtberüchtigte Nord-Süd-Gefälle auf Länder-Ebene. Auf den ersten fünf Plätzen im „Diebstahls-Ranking“ liegen nur die nördlichen Bundesländer. Mit einer Quote von 1276 Diebstählen pro 100.000 Einwohner liegt Bremen auf Platz 1. Insgesamt kamen in Bremen vergangenes Jahr 8435 Räder abhanden. Platz 2 geht an Hamburg. Die Hansestadt bringt es mit über 1,7 Mio. Einwohnern auf eine Quote von 733 Rädern pro 100.000 Einwohner. Platz 3 in der Negativwertung aller Bundesländer belegt Schleswig-Holstein mit umgerechnet 704 gestohlenen Rädern pro 100.000 Einwohner, unter den Flächenländern liegt es damit an der Spitze! Allerdings, hier zeigt sich ein Mangel der Studie. Sie vergleicht nämlich die Anzahl der Fahrraddiebstähle nur mit der Einwohnerzahl und stellt die Quote nicht in Relation zur Fahrraddichte. Diese Methode führt dazu, dass das Bild verzerrt wird und Regionen mit weniger Fahrrädern automatisch eine tiefere Diebstahlquote aufweisen als Städte und Bundesländer, in denen viel Fahrrad gefahren wird. Daher verwundert es nicht, dass ausgerechnet die „Nordländer“ in der Studie schlecht abschneiden. Das Sprichwort „Gelegenheit macht Diebe“ gilt auch für den Fahrraddiebstahl, denn wo das Fahrrad häufiger genutzt wird, wird es auch eher einmal geklaut. Doch überall gilt: Man muss es dem Dieb so schwer wie möglich machen. Wenn das Schloss schwierig zu knacken ist, lässt er die Hände davon. Friedrich Wiedemann von geld.de rät, dass Fahrräder besonders über Nacht im Keller oder in der Garage an festen Gegenständen gesichert werden. Außerdem empfiehlt er in der Hausratsversicherung grundsätzlich einen Fahrrad-Diebstahlschutz mit zu integrieren. Das mache den Diebstahl dann nicht ganz so schmerzlich.

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