01.10.2011 von Klaus Holst

Ritzelrechner

Ritzelrechner! Ein Wort, zwei Begriffe, drei Rs, vier Silben: klar und aussagekräftig. Eines der wenigen deutschen Neu-Wörter aus dem Technikbereich, das sich durchsetzen kann. Sonst wäre es vielleicht ein "toothed wheel calculator" oder wenigstens ein "gear calculator " geworden. An diesem Wort wird selbst die Gesellschaft für deutsche Sprache ihre Freude haben.

Doch das, was der Ritzelrechner leistet, stammt eher aus einem Mathematik-Leistungskurs als aus einem Deutschkurs. Eine Aufgabe könnte etwa so lauten: 

Ein Radler hat eine Trittfrequenz von 90 U/Min, seine Kette läuft vorne über 46 Zähne, hinten über 16 Zähne, die Reifengröße beträgt 622/35 (Umfang 2175 mm) Mit welcher Geschwindigkeit fährt der Radler?

Wer bei dieser Aufgabe ins Grübeln kommt, für den ist der Ritzelrechner gemacht. Anschaulich, klar und total übersichtlich lassen sich Trittfrequenz, Übersetzungsverhältnis (Zähnezahl), Entfaltung (Verhältnis Kurbelumdrehung zu Laufradumdrehung) und Reifengröße für alle nur denkbaren Kombinationen von Ritzelpaketen und Kettenblättern einstellen und damit die Geschwindigkeit, die Gangabstufungen in Prozent und der zurückgelegte Weg pro Kurbelumdrehung ermitteln. Alle gängigen Nabenschaltungen sind voreingestellt, so dass sich z. B. die neue Alfine 11-Gangnabe mit der Rohloff-Nabe oder mit der Nexus 8-Gangnabe oder auch mit jeder beliebigen Kettenschaltung vergleichen lässt.

Der Erfinder des Ritzelrechners, Dirk Feeken, war eigentlich über das Ausprobieren verschiedener Computerprogramme darauf gekommen, diese Rechenhilfe zu entwickeln. Angeregt dazu wurde er durch die Fahrradtests in der Zeitschrift "aktivRadfahren". Bei diesen Tests wurde gewöhnlich die Leistung der getesteten Schaltung in einer Grafik dargestellt. Hier fühlte sich Dirk Feeken, der als Programmierer arbeitet, gefordert. Er überlegte sich, wie weit ein Computer-Programm eine solche Grafik darstellen und Vergleiche ermöglichen kann. So entstand nach einigen Versuchen und Rückschlägen der Ritzelrechner. Damit lässt sich nun die Berechnung vereinfachen und dazu auch graphisch anschaulich darstellen. Inzwischen ist die Nutzung seiner Ritzelrechner-Seite auf 3000 Aufrufe pro Tag angewachsen. 

Mit dem Ritzelrechner ist Dirk Feeken ein Hilfsmittel gelungen, das jedem interessierten Radler die Entscheidung bei der Auswahl einer Gangschaltung (Ketten- oder Nabenschaltung) erleichtern kann. Dem Kettenschaltungsfreund wird zusätzlich die Hilfe an die Hand gegeben, das für ihn am besten geeignete Ritzelpaket zu finden. Doch auch bei einer Nabenschaltung lässt sich durch den Einbau eines größeren oder kleineren Ritzels der Charakter in Richtung "bequem" oder in Richtung "sportlich" ändern. Dabei muss es längst nicht immer um den Kauf einer neuen Schaltung oder eines Ritzelpaketes gehen, es macht einfach Spaß, einmal die Kombination der eigenen Gangschaltung einzustellen und sich zu veranschaulichen, wie sich beim Schalten die Trittfrequenz, die Umdrehungszahl oder die Länge der zurückgelegten Strecke pro Kurbelumdrehung verändert und wie groß und wie unterschiedlich die Schaltschritte jeweils sind.

Zu finden im Internet unter: www.ritzelrechner.de

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