01.10.2011 von Klaus Holst

Radschnellwege - Zukunftsmusik aus Niedersachsen

Sieht so die "Radautobahn" der Zukunft aus?

Wenn dieser Vorschlag realisiert werden würde, dann wäre das einmalig in Deutschland. Es geht um einen Radschnellweg zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel. Erfahrungen damit liegen bisher nur aus Dänemark und den Niederlanden vor. Nun soll eine Rad-Autobahn zwischen diesen beiden Städten geplant werden.

Mit dem PKW kann man seit vielen Jahren auf Autobahnen tausende Kilometer durch Deutschland fahren. Man kommt voran ohne Ampeln, Kreuzungen, Kreisverkehre, ohne Behinderungen durch Fußgänger und Radfahrer, manchmal auch ohne LKWs. Auch für das Fahrrad könnte es solche Wege geben, die ADFC Gruppierungen im Großraum Hannover-Braunschweig haben sich dafür stark gemacht und in den Behörden Gehör gefunden.

Die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg hat nun eine Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel in Auftrag gegeben. Darüber freuen sich die örtlichen Mitglieder des ADFC ganz besonders.

Sechs Routen waren in Niedersachsen untersucht worden. Für drei werden nun Machbarkeitsstudien erstellt, das konnte der niedersächsische ADFC-Vorsitzende Martin Langer berichten. Unterstützt wird das Projekt vom Bundesverkehrsministerium, das die Wolfenbütteler Planung als Pilotprojekt ansieht. Ob damit auch Zuschüsse bei einer Realisierung verbunden sind, konnte Martin Langer bisher nicht bestätigen. 

Die Verbindung Wolfenbüttel - Braunschweig wurde von der Metropolregion ausgewählt, da dort eine hohe Nutzung des Radschnellweges zu erwarten sei. "Die Distanz von 13 Kilometern zwischen Mittel- und Oberzentrum ist exemplarisch und es liegt eine bipolare Quell- und Zielstruktur vor", heißt es in der Pressemitteilung der Metropolregion. Und die Konfliktfelder Erholung und Naturschutz können bei der Machbarkeitsstudie ebenfalls mituntersucht werden, da zwei Strecken unter anderem durch ein Naherholungsgebiet führen, die dritte allerdings entlang einer Bundesstraße verläuft.

Für Radschnellwege gibt es besondere Anforderungen. Sie müssen auch bei hohen Geschwindigkeiten bis zu 35 Stundenkilometern sicher befahrbar sein. Dieses Ziel wird vor allem durch Kreuzungsfreiheit (bzw. ebenengetrennte Kreuzungen), Geradlinigkeit bzw. große Kurvenradien, besondere Fahrbahnbreite und eine gute Oberflächenbeschaffenheit erreicht. Anschlüsse sollen ähnlich wie bei Autobahnen mit angrenzenden Radien erfolgen. Es darf nur geringe Zeitverluste durch Ampeln oder Einfahrten geben. Außerdem müssen die Wege regelmäßig gereinigt, in den Winterdienst einbezogen und mit Unterstellmöglichkeiten versehen sein. Martin Langer hofft, dass sich Vertreter aus Wolfenbüttel und Braunschweig demnächst über dieses Projekt verständigen, um dessen Realisierung voranzutreiben.

Zu teuer? Ein sinnvoll geplanter und gebauter Radschnellweg kann den Bau oder die Erweiterung von Kraftfahrzeugstraßen überflüssig machen, wenn er intensiv genutzt wird.  Menschen, die bisher mit dem Auto zur Arbeit fuhren, würden auf den Radschnellweg "umsteigen". Der Radverkehrsanteil kann dadurch erheblich steigen und die Zahl der schweren Unfälle zwischen Radfahrer und Kraftfahrzeugen zurückgehen. Hinzu kommt, dass die öffentliche Hand durch den Bau von Radschnellwegen eine Menge Geld spart, da eine Autobahn oder auch jede andere Straße um ein Vielfaches teurer wäre als jeder noch so aufwändig angelegte Radschnellweg. Argumente gibt es genug, - wann zieht Schleswig-Holstein nach? Wo gibt es bei uns eine "bipolare Quell- und Zielstruktur"?

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