08.06.2012 von Klaus Holst

PETT MAN SÜLM mal 101

PETT MAN SÜLM Ausgaben von 1987,1994,1997 und 2012
PETT MAN SÜLM Ausgaben von 1987,1994,1997 und 2012

PETTMANSÜLM und der Landesverband ADFC Schleswig-Holstein (damals Bezirksverein SH) werden 25 Jahre alt! Ursprünglich war die PETTMANSÜLM als schlichtes Rundschreiben für die Mitglieder gedacht. Doch schnell wurde sie die vierteljährlich erscheinende Mitgliederzeitschrift des ADFC-SH, die „Fahrradzeitung für Schleswig-Holstein“.

25 Jahre PETTMANSÜLM, da macht es Spaß, einmal ins Archiv zu blicken und die alten Hefte durchzublättern. Das erste Heft - Auflage 400 und in peppigem Orange gehalten - zeigt auf dem Titelblatt einen fröhlichen Radfahrer mittleren Alters, der sich mit Elan in die Kurve legt. Schon damals war klar: das Fahrrad ist nicht nur für Kinder, Jugendliche und solche Menschen da, die sich kein Auto leisten können, und es ist nicht nur für die Freizeit da. Die Botschaft lautete damals wie heute: Radfahren macht Spaß auf dem Weg zur Schule, zur Arbeit, zum Einkaufen und zu allen anderen möglichen Zielen...

In der ersten Ausgabe vom Frühjahr 1987 gleich auf Seite 2 begrüßt der erste Vorsitzende, Willy Albert, die PETTMANSÜLM Leser mit dem Satz: „Nachdem ... die letzten Hürden aus dem Weg geräumt werden konnten, wurde am 14.4.1987 in der PUMPE in Kiel der Bezirksverein Schleswig-Holstein des ADFC gegründet.“ Pumpe! - kann ein Lokal in dem ein Fahrradclub gegründet wird, einen passenderen Namen haben? Gleichzeitig ist die Pumpe – nomen est omen – auch der Geburtsort der PETTMANSÜLM Die Hefte entstanden damals noch weitgehend in Handarbeit, die 16 Seiten wurden in die Schreibmaschine getippt (mechanisch oder schon elektrisch?) das Layout geschah mit Schere und Fixogum-Kleber, Fotos gab es noch nicht, stattdessen schuf ein künstlerisch begabter Redakteur für das Titelblatt jeweils eine witzige Federzeichnung.

Schon bald ging es steil aufwärts. Die ersten Hefte konnten immer wieder neue Zugänge von Ortsgruppen melden: „Ortsgruppe Lübeck stellt sich vor ..., in Neumünster tut sich was ..., ADFC-Rendsburg im Kommen ..., OG in Bad Oldesloe gegründet ..., Eutin nicht mehr lange ohne ADFC ..., Norderstedter Ortsgruppe in Gründung ..., frisch gebackene Ortsgruppe in Itzehoe ...“ Schließlich las man sogar die damals unglaubliche Frage: „ADFC bald in allen Landkreisen?“ Doch ein paar Ausgaben später sank der Mut wieder: „Macht der ADFC bald dicht?“ Denn obwohl die Mitgliederzahl stetig zunahm, ging die Zahl der Aktiven in gleichem Maße zurück.

An Themen gab es damals wie heute keinen Mangel, „Radfahren in Kiel ein Trauerspiel“, „Lübeck die fahrradfreundlichste Stadt im Norden“ (!), „Flensburg Schlusslicht“ (?). Und immer wieder Themen wie: Radfahren im Alltag, Technik, Radtouren, Bett+Bike (damals noch „RÜV“ = Reiseradlers Übernachtungsverzeichnis), Rad und Bahn, Radwege, Rechtsfragen, neue Landkarten usw. Auf Autofahrer waren die Redakteure damals überhaupt nicht gut zu sprechen, man sah in ihnen gefährliche und rücksichtslose Egoisten. In zahlreichen Cartoons wurden sie immer wieder aufs Korn genommen. Dem entsprachen auch die Texte im Heft: „Survival-Training am Westring“, „K(r)ampf auf der Straße“, „Frische Luft statt Abgasmief“. - Naja, da können wir heute durchaus mitreden, wenn vielleicht auch manches ein wenig besser geworden ist.

Historische Ereignisse spiegeln sich in den Texten der Ausgaben von 1989/90 wieder: Am 7.1.1990 unternimmt eine Radlergruppe aus Lübeck eine erste Radtour in die DDR nach Dassow („die Fahrt auf der Transit-Strecke war die Hölle!“). Doch es geht weiter, man war „zu Gast in Rostock“, konnte von der neuen „Schweriner ADFC-Ortsgruppe“ und von „ersten fahrradtouristischen Projekten in Mecklenburg“ berichten. Sogar die Idee von einem Radweg von Lübeck nach Hof (Bayern) auf dem alten Kolonnenweg der DDR-Grenztruppen machte die Runde.

1991 wird Kirsten Kock als die erste hauptamtliche Kraft für die Geschäftsstelle eingestellt. Damit zieht die neue Zeit ein, denn es folgt ein Aufruf im Heft 3/91: Computer als Spende für den ADFC gesucht. Man möchte zukünftig die Texte am Computer erstellen, die Schreibmaschine hat ausgedient. Kaum zu glauben, dass das erst gut zwanzig Jahre her ist! Zeitweilig gab es Anfang der neunziger Jahre sogar Regionalausgaben für Nord, Mitte und Süd. Diese unterschieden sich jedoch nicht im redaktionellen Teil, sondern nur in den Anzeigen mit regionalem Bezug, damit die Anzeigenkunden ihre Zielgruppe unmittelbarer erreichen konnten. Bald wurden auch die selbst gezeichneten Titelblätter durch Fotos abgelöst, schwarz-weiß, etwas unscharf und scheinbar total unterbelichtet. Doch der Fortschritt ließ sich nicht mehr aufhalten. Die erste farbige Titelseite kam mit der Ausgabe 3/2004, die Bilder im Heft blieben zwar schwarz-weiß, allerdings in zunehmend besserer Qualität. Und endlich war es mit der Ausgaben 1/2010 soweit, dass das ganze Heft in Farbe gedruckt wurde.

Das vorliegende Heft 3/2012 ist das 101. Heft der PETTMANSÜLM. Aus einem ehemals mageren „Rundschreiben“ an die Mitglieder ist die „Fahrradzeitung für Schleswig-Holstein“ geworden mit einer Auflage von 12.000 Stück, 44 Seiten stark und von dieser Ausgabe ab mit einem noch moderneren und frischeren Layout. Die Themen sind zwar die alten geblieben, doch die Herstellungstechnik hat sich erheblich gewandelt. Computertechnik und digitale Fotografie ermöglichen heute einen viel größeren Gestaltungsspielraum als vor 25 Jahren. Zwei Dinge aber haben sich über die ganze Zeit nicht verändert: (1) Die PETTMANSÜLM wird nach wie vor in ehrenamtlicher Arbeit erstellt und (2) wir in der Redaktion sind auf die Mitarbeit unserer Leser angewiesen. Wir freuen uns über Leserbriefe, über Berichte aus den Ortsgruppen, über Tourenberichte und über Texte und Fotos aller Art, die mit dem Fahrrad und dem Radfahren zu tun haben. Da wir seit einem Jahr auch eine Website (www.pettmansuelm.de) haben, ist es noch leichter, mit uns zu kommunizieren, Kommentare abzugeben und in die Diskussion zu kommen. Und für den, der selbst einmal einen ausführlichen Rückblick in unsere Vereinsgeschichte tun möchte, bereiten wir noch noch einen besonderen Leckerbissen vor: Demnächst werden alle 101 PETTMANSÜLM-Ausgaben als pdf-Dateien über unsere Website abzurufen sein.

Das 50. Jubiläum steht auch schon fest, der 14. April 2037. Bis dahin sind noch 99 PETT MANSÜLM-Hefte zu erstellen. Für unsere Leser Gelegenheiten genug, zur Feder (oder in die Tasten) zu greifen. Also: nur zu!

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