17.09.2016 von Frank Spatzier

Park(ing) Day in Lübeck: Spaß und gute Laune statt ödem Blech

Park(ing) Day in der Lübecker Mühlenstraße

Autos dominieren unsere Städte. Sie quälen sich durch die Straßen und säumen deren Ränder. Doch Fahrzeuge sind hauptsächlich Stehzeuge, die die meiste Zeit ihrer Existenz irgendwo herumstehen. Und das beeinträchtigt - zusätzlich zum rollenden Verkehr - die Lebensqualität. Wie selbstverständlich belegt das Blech Unmengen an öffentlichem Raum. Raum, der für Kommunikation und Begegnungen, also für menschliches Leben fehlt.

 

Genau darauf macht der Park(ing) Day aufmerksam: Die Städte sollen wieder den Menschen gehören, nicht dem Blech. Dazu werden Parkplätze von Bewohnern in Beschlag genommen und in bunte Aktionsflächen umgewandelt. Wo sonst öde Blechkisten lagern, wird geklönt, Kaffee getrunken, Schach gespielt oder gelesen. Es findet also wieder das statt, was Städte ursprünglich ausmacht, nämlich soziales Leben. 

Auch in Lübeck haben sich viele Bürgerinnen und Bürger der mittlerweile weltweiten Aktion angeschlossen, die in jedem Jahr jeweils am dritten Freitag im September stattfindet. So auch in der Mühlenstraße, wo viele Parkplätze zwischen 10 und 18 Uhr mit viel Kreativität und Freude in bunte Aktionsflächen umgewandelt wurden. Mit von der Partie waren auch die Aktiven des ADFC Lübeck sowie andere lokale Inititativen und Organisationen. 

Dazu mussten sie schon vormittags „besetzt“ werden, das allerdings auf ganz legalem Wege: Wie ein gewöhnlicher Autofahrer zog Organisator Ralf Küpper für jeden frei gewordenen Parkplatz einen Parkschein. Auch war die Aktion im Vorfeld als Demonstration angemeldet worden. Anschließend wurden die Parkplätze von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Begegnungsflächen umgewandelt.

Und das mit vollem Erfolg: Obwohl sich bis zum frühen Nachmittag endlose Blechkaravanen durch die Mühlenstraße drückten, verlieh die Aktion diesem Teil der Lübecker Altstadt ein völlig neues und ungewohntes Flair. Auf Plätzen, die sonst mit Autos vollgestellt sind, herrschte ein heiteres soziales Leben. Gute Laune, Spaß und Freude hatten triste Blechkisten ersetzt und der Stadt ein Stück Lebensqualität zurückgegeben.

Interessierte Passanten erkundigten sich nach dem Sinn der Aktion und wurden bereitwillig aufgeklärt. Überhaupt war die Resonanz auffällig positiv. Auch von Seiten parkplatzsuchender Autofahrer habe es keine Proteste gegeben, so Ralf Küpper.

Auch wenn nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Parkplätze umgewidmet wurde, hat der diesjährige Park(ing) Day also auch in Lübeck verdeutlicht, wie lebenswert eine Stadt ohne die allgegenwärtigen Blech-Stehzeuge sein kann. Es ist eben keine Selbstverständlichkeit, dass das Privateigentum von Autofahrern überall im öffentlichen Raum herumsteht und Platz für städtisches soziales Leben blockiert. Und nebenbei bemerkt: Es sind vor allem die vielen rollenden und stehenden Autos, die das historische Stadtbild Lübecks verschandeln. 

Bleibt zu hoffen, dass der Park(ing) Day einen Impuls für eine intelligentere Nutzung des öffentlichen Raumes und eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität in unseren Städten  gesetzt hat. Ein Umdenken ist nicht nur möglich, sondern auch dringend nötig.

Der nächste Park)ing) Day findet am 15. September 2017 statt.

Fotos: fs

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Kommentar von boje Maaßen | 07.06.2017

Scheint mir, ein Durchbruch zu sein. Prima

Kommentar von boje Maaßen | 07.06.2017

Scheint ein Durchbruch zu sein. Prima!