01.04.2011 von PETT MAN SÜLM! Redaktion

Nordkap – Gibraltar

Eine Radtour durch Europa

Die Leuchtschrift der Apotheke im Zentrum Barcelonas stand mittags auf + 29 Grad. Als wir wenig später mit unseren vollgepackten Rädern die Vororte der Millionenstadt erreichten, waren es + 41 Grad – inklusive einem Gegenwind wie aus einem Haarföhn auf höchster Stufe. Zeit, um im Schatten auf der nächsten Parkbank eine Siesta zu halten.

Blick zurück: Am 29.06. treffen sich am Flughafen Hamburg drei ADFC-Mitglieder: Brigitte aus Kiel, Ulli aus Frankfurt und der Autor aus Zarpen bei Lübeck – alle haben ihre Räder mitgebracht und sorgfältig verpackt. Mit dem Flieger geht’s nach Tromsö, mit dem Postschiff weiter nach Honnigsvag. 32 km radeln wir von dort aus in die „falsche“ Richtung zum Nordkap. Vom neblig-kalten Nordkap starten wir nach Süden, so weit die Pedalen tragen… Jedes Land versucht, unserer gewaltiges Vorhaben, mit dem Rad durch ganz Europa zu fahren, zu verhindern. Natürlich hatten wir schon längere Radtouren gemacht, aber sooo lange denn doch nicht. Norwegen beginnt mit kühlen Temperaturen und Nässe, entschädigt uns aber mit grandioser Natur. Wahre Plagegeister sind die finnischen Mücken und Stechfliegen, wir erleben aber eine wunderbare Mitternachtssonne. Die vielen, vielen Steigungen mit Gegenwind machen die schwedischen Tage kräftezehrend; dazu genießen wir aber Ruhe und Einsamkeit. Kurz vor Göteborg muss uns Brigitte verlassen – leider ist ihr Urlaub zu Ende. Aber auch zu zweit bläst es uns in Dänemark kräftig von vorn, es gibt aber tolle Radwege. Unser Heimatland bietet die beste Versorgung, versucht uns aber mit Schauern und einem technischen Defekt an einem Hinterrad zur Aufgabe zu zwingen. Nicht mit uns! In der Schweiz treten Flüsse über die Ufer, so doll regnet es, und ein ganz Gemeiner schickt uns in die falsche Richtung – aber die Metropole Genf zieht uns in ihren Bann. Beinahe werden wir von einer Kehrmaschine am Strand von Le Grau du Roi nachts plattgewalzt, dafür bietet Frankreich wunderschöne Straßen und gemütliche Restaurants. Die Spanier stellen sich mit viel Autoverkehr und Serpentinen in den Weg – dafür feuern sie uns immer wieder lautstark an und schenken uns jeden Tag Sonne satt. Schließlich in Gibraltar/Großbritannien gibt es – wie ungewohnt – eine Ausweiskontrolle und die Extremsteigung auf den „Affenfelsen“. Aber wir können nach Afrika blicken. Wir haben es tatsächlich geschafft! 7.100 km, 40.000 Höhenmeter, 9 Länder und 76 Radeltage quer durch Europa liegen hinter uns. Ein Traum, der Wirklichkeit wurde. Und an den schwedischen Vännern würde ich gerne noch einmal. Und nach Südfrankreich. Oder doch erst nach Barcelona? 

(Carsten Drews, Zarpen)

Urlaub mit und auf dem Fahrrad – das ist für viele begeisterte Radler der Höhepunkt des (Fahrrad-)Jahres. Die „PETT MAN SÜLM!“-Redaktion veröffentlicht gern Radreiseberichte aus der Leserschaft – die sind auf jeden Fall authentisch und der Realität erheblich näher als die gängigen Prospekt-Texte. Gern vermittelt die Redaktion auf Wunsch auch den Kontakt zwischen dem Autor und denjenigen Lesern, die die Tour „nachfahren“ und sich noch den einen oder anderen Tipp holen möchten.

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