08.10.2013 von Klaus Holst

Nach dem Hochwasser am Elberadweg: Katastrophentourist oder gern gesehener Gast?

Das war ungewöhnlich: Im IC-Zug von Hamburg über Dresden nach Prag ist normalerweise kein Fahrradstellplatz zu bekommen, nun bekomme ich von einem auf den anderen Tag einen Platz und - kaum zu glauben - mein Fahrrad ist das einzige im Abteil! Ähnlich ist es unterwegs am Elberadweg: Gähnende Leere in den Gaststätten, freie Quartiere überall, Reiseradler Mangelware! 

Der Radweg ist für den Tourismus an der Elbe ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wer dort vom Tourismus und damit insbesondere von den Elbe-Radlern lebt, ist auch dann hart von der Flut betroffen, wenn das Hochwasser ihn verschont hat und Haus und Hof trocken geblieben sind. "Sonst ist unser Haus voll, aber jetzt, - ich weiß gar nicht, wie ich das durchhalten soll, die Kosten laufen weiter", sagt mir die Betreiberin einer kleinen Pension in Tangermünde. Dort bin ich der einzige Gast. Abends treffen dann doch noch zwei Radler ein und suchen in dem Haus Quartier. Sie kommen aus Prag und stellen fest: Man kann überall fahren, aber nicht immer auf der gewünschten Elbseite. Manchmal muss man deshalb die Flussseite wechseln, auch sind noch nicht alle Fähren wieder in Betrieb.

Kritisch ist es noch im Bereich der Saalemündung und auf der Ostseite zwischen Magdeburg und Havelberg. An einigen Stellen ist der Deich oder sogar die Straße "geschlitzt", das heißt aufgerissen, damit das Wasser abfließt. Ab Havelberg elbabwärts kann man sich die Flusseite aussuchen, nur an wenigen Stellen geht es kurz über eine Umleitung auf die Landstraße. 

Der ADFC rät Radurlaubern darüber hinaus, sich auf den Internetseiten der Radfernwege und bei den regionalen Tourismusverbänden zu informieren. Gute und aktuelle Informationen sind auf der Seite www.elberadweg.de zu finden. Die Deutsche Zentrale für Tourismus bietet auf www.germany.travel eine interaktive Karte mit den regionalen Anlaufstellen an und ebenfalls aktuelle Informationen sowie Ansprechpartner. 

Wenn dieses Heft gedruckt und verteilt ist, haben die meisten Leser vermutlich ihren Urlaub schon hinter sich. Doch weiterhin gilt: An der Elbe ist man gern gesehener Gast, kein Katastrophentourist!

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