13.03.2014 von Klaus Holst

"my Boo" - Bambusfahrräder aus Schleswig-Holstein

Ein Rad aus Bambus - etwas für Afrika-Fans, für Öko-Typen oder für Bastler, denen es nichts ausmacht, alle drei Kilometer abzusteigen und das mitgeführte Werkzeug auszupacken? Nein, bei den "my Boo"-Bambusrädern handelt es sich um hochwertige, langlebige Exemplare, entwickelt von einem Start-Up-Unternehmen aus Kiel und montiert in einer kleinen Manufaktur in Rendsburg.

Zu einem Start-Up gehört immer eine besondere Idee, das Aufspüren einer Marktlücke und die für eine Firmengründung notwendigen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse. Alles das brachten die beiden Kieler Studenten Maximilian Schay und Jonas Stolzke mit: Sie entwickelten ein Fahrrad aus Bambus zur Marktreife.

Die Idee, Bambusfahrräder aus ökologisch und sozial nachhaltiger Produktion auf dem deutschen Markt zu etablieren, entstand im Sommer 2012. Der Mitbegründer Maximilian Schay hörte davon, dass es in Ghana Fahrräder aus Bambus gibt, die für den heimischen Markt entwickelt worden waren. Spontan begeistert überzeugte er auch seinen Freund Jonas Stolzke von der Idee, Bambusfahrräder für die Ansprüche des deutschen Marktes zu bauen. Und nach ersten Recherchen und Diskussionen war "my Boo" geboren, die Firma, die in Deutschland Fahrräder aus Bambus herstellt und vertreibt. 

Die beiden Gründer holten noch einige weitere Studenten ins Team und suchten sich geeignete Partner, die den Fahrradbau fachgerecht durchführen konnten: Die Rahmen selbst werden in Ghana gebaut. Die "Stiftung Mensch", eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, liefert die einzelnen Aluminiumteile für die Rahmen. Das Rendsburger Unternehmen Finisher Sport ist als erfahrener Fahrradspezialist verantwortlich für die Montage der Fahrräder und hilft darüber hinaus in dem Bereich Produktentwicklung. Somit sind eine ganze Reihe von Menschen und Einrichtungen an der Produktion der Bambusfahrräder beteiligt.

Der Werkstoff Bambus wird nicht aus Mangel an geeigneterem Material verwendet, sondern aus Überzeugung. Natürlicher Bambus, der an Straßenrändern vor Ort in Ghana wächst, wird geschlagen und macht den Hauptbestandteil des Rahmens aus. Eine zweite Komponente bilden kleine Aluminiumwerkstücke. Sie werden benötigt, um daran später die Anbauteile wie Sattel und Gabel montieren zu können. Die Stellen, an denen das Metall auf das Bambusrohr trifft, werden mit Hanfseilen, die in Epoxydharz getränkt sind, umwickelt. Dies muss dann aushärten und wird anschließend in sorgfältiger Handarbeit glatt geschliffen.

Damit ist jeder Rahmen ein Unikat, in dem etwa 90 Arbeitsstunden stecken. Bambus und Aluminium sind leichte Materialien, so dass der nackte Rahmen nur etwa 3 kg wiegt. Doch Bambus ist nicht nur leicht, es ist auch elastisch und bewirkt mit den passenden Reifen dazu einen Komfort, der es mit einem voll gefederten Metallrahmen aufnehmen kann. 

Die junge Firma "my Boo" verkauft jedes Bambusfahrrad als Unikat, der Kunde kann sein Fahrrad ganz nach den eigenen Wünschen zusammenstellen. Die Macher haben 3744 Kombinationsmöglichkeiten errechnet, bedingt durch verschiedene Rahmenformen, Reifentypen, Sattelfarbe, Art der Griffe usw. Mit jedem verkauften Fahrrad finanzieren die Hersteller ein Schulstipendium in Ghana für ein Jahr. Danach hat der Kunde die Möglichkeit, diese Patenschaft zu verlängern. 

Ein Start-Up-Unternehmen zu begründen ist nicht leicht. Gespür für das Marktgeschehen, Kapital und Glück sind notwendig, um mit dem Unternehmen in die schwarzen Zahlen zu kommen. Aber vielleicht haben die Jungunternehmer hier die richtige Marktlücke entdeckt. Dann müssen Fahrradfreaks bald ihren Diskussionsradius erweitern, wenn es um das beste Material für einen Rahmen geht: Stahl, Aluminium oder doch lieber Bambus?

Näheres unter www.my-boo.de

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