02.01.2014 von PETT MAN SÜLM! Redaktion

Moin Moin, Sarah!

Freiwilliges Ökologisches Jahr auf dem Fahrradsattel

Eine junge Frau aus Bayern leistet ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) in Schleswig-Holstein, und zwar in einem Kooperationsprojekt des ADFC Schleswig-Holstein und der Stadt Flensburg. Ursprünglich hatte sie vor, sich im Wattenmeer auszutoben. Doch dann entschied sich die begeisterte Radfahrerin für die Radverkehrsförderung in Kiel. Und hat es bis heute nicht bereut.  

Was macht die achtzehnjährige Abiturientin Sarah Boehm aus dem Herzen Bayerns in Flensburg bei der Radverkehrsförderung? Erst wollte sie ins Ausland. Das klappte nicht ganz so wie geplant, deshalb hatte sie den Plan, wenigstens bis ans andere Ende Deutschlands zu gehen, um dort im Watt die Umwelt zu retten. Also kam sie im Frühjahr nach Schleswig-Holstein, um sich bei ihren möglichen zukünftigen Einsatzstellen vorzustellen. Doch (glücklicherweise) wurde sie nicht nur an die Nordsee, sondern auch an die Ostsee nach Flensburg eingeladen. Und da ist sie angekommen und engagiert sich für den Radverkehr.

Das Besondere an ihrer FÖJ-Stelle: Es ist die erste ihrer Art, nämlich ein Kooperationsprojekt des ADFC Schleswig-Holstein mit der Stadt Flensburg. Weil die Stelle erst dieses Jahr neu geschaffen wurde und es vorher nichts wirklich Vergleichbares gab, hat sie dort einen großen Handlungsspielraum, kann viel mitgestalten und mitentscheiden. Einige Projekte sind bisher nur geplant, andere laufen schon.

In einem ihrer Projekte geht es um das Thema "Faltrad und Bus" und die Betreuung der Testkunden, in einem anderen Projekt begleitet sie die  ADFC-Kampagne „Mit dem Rad zum Einkaufen“, außerdem erstellt sie ein Kataster über die Fahrradtauglichkeit der Bushaltestellen in Flensburg. Nebenbei gehört es zu ihren Aufgaben, die Radwege hinsichtlich Sicherheit, Qualität und Beschilderung zu beobachten und den ADFC-Infoladen in Flensburg zu betreuen. Natürlich nicht alles auf einmal sondern schön nacheinander... 

 Sarah war bereit, uns über sich und über ihre Tätigkeit bei der Stadt Flensburg und beim ADFC einige Fragen zu beantworten:

PMS: Was hat dich dazu bewogen, dich überhaupt für eine FÖJ-Stelle (Freiwilliges Ökologisches Jahr) zu bewerben? 

Sarah Boehm: Ich war mir nicht sicher, was ich nach dem Abitur machen wollte. Ich wusste nur dass ich noch kein Studium beginnen wollte, bevor mir nicht klar wäre, welches. Also habe ich mich auf die Suche nach Alternativen gemacht. Zuerst habe ich mich eher im Bereich FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) umgesehen, dort konnte ich aber nichts finden, was mich angesprochen hätte.

Dann habe ich irgendwie mitbekommen, dass es auch eine "ökologische" Variante gibt. Als ich "FÖJ" gegoogelt habe, kam sofort als Vorschlag "FÖJ Wattenmeer" und jetzt bin ich über ein paar Umwege hier in Flensburg gelandet. Ich denke, dass Umweltbewusstsein heutzutage unverzichtbar ist und dass viele Umweltverbände hervorragende Arbeit leisten, um dieses Umweltbewusstsein in der Bevölkerung zu verankern und generell den Naturschutz zu fördern und aktiv zu betreiben. Ohne den Einsatz von FÖJler/innen würden viele Verbände diese Arbeit nicht mehr leisten können, und ich bin froh, dass ich zusammen mit anderen jungen Menschen unterstützend tätig sein kann. 

PMS: Welche Arten von Tätigkeiten als FÖJlerin standen für dich zur Wahl? 

S.B.: Ursprünglich wollte ich auf jeden Fall ans Wattenmeer und habe mich mit den anderen Einsatzstellen relativ wenig befasst. Letztendlich konnte ich mich zwischen der Schutzstation Wattenmeer in Büsum und der Fahrradstelle hier in Flensburg entscheiden.

Die Wahl ist aus verschiedenen Gründen auf Flensburg gefallen: Ich fahre sehr gerne Fahrrad und wusste bis zur Einladung zum Vorstellungsgespräch nichts von dieser Einsatzstelle; diese Stelle hier wird zum allerersten Mal besetzt, d.h. ich kann hier noch maßgeblich selbst mitgestalten; Flensburg hat mir auf Anhieb sehr gefallen! 

PMS: Nun bist du in der kleinen Großstadt Flensburg gelandet. Hättest du doch lieber auf einer einsamen Insel im Wattenmeer gearbeitet

S.B.: Nein. Ich glaube, ich habe es hier in der "kleinen Großstadt" besser. Im Sommer oder für einen begrenzten Zeitraum ist es bestimmt ganz wunderbar, auf einer Insel zu sein, aber ich möchte das nicht für ein ganzes Jahr machen. Es gibt die Möglichkeit, für zwei Wochen die Einsatzstelle mit einem/einer anderen FÖJler/in zu tauschen, und das will ich auf jeden Fall machen. 

PMS: Du hast nun viel mit Fahrrädern und mit dem Radfahren zu tun. Bist du selbst als Kind viel Fahrrad gefahren? 

S.B.: Ja ich bin ziemlich viel Rad gefahren. Ich komme vom Land, und wenn man irgendwie mobil sein wollte, ist man eben Rad gefahren. 

PMS: Hast du damals - vielleicht mit deinen Eltern oder mit Freunden - kleinere oder größere Radtouren gemacht

S.B.: Wir haben keine großen Radtouren gemacht, dafür aber öfter mal kleinere Tagestouren um einen See oder im Tal am Fluss entlang. Ich bin auch regelmäßig mit Freunden einfach nur zum Spaß abends ein oder zwei Stunden durch den Wald oder die Felder gefahren. 

PMS: Angenommen Geld und Zeit spielten keine Rolle, wie würde heute deine Wunschradtour aussehen

S.B.: Ich würde am liebsten eine große Deutschlandtour machen mit Küsten, Alpen, Mittelgebirgen, Seen, Flusstälern, Städten und allem mit dabei. Ich bin mir auch sicher, dass ich das machen werde, aber wahrscheinlich in kleineren Etappen und nicht auf einmal. 

PMS: Wie sieht dein typischer Arbeitstag als FÖJlerin aus? 

S.B.: Meistens komme ich morgens ins Büro und erledige Dinge wie E-Mails oder organisiere irgendetwas, das gerade ansteht, unterhalte mich mit der offiziellen Fahrradplanerin und plane. Je nach dem wie viel im Büro ansteht, fahre ich so gegen Mittag raus und fahre entweder Radwege ab (für einen Fahrradstadtplan für Flensburg) oder arbeite an einem Haltestellenkataster oder ich fahre zu Punkten, die von Bürgern als mangelhaft oder gefährlich gemeldet wurden und mache Bilder davon. Jeden Dienstag Abend von 17:00 bis 19:00 Uhr bin ich im ADFC-Infoladen am Burgplatz. 

PMS: Welche Tätigkeiten machen dir dabei besonders viel Spaß, welche weniger? S.B.: Am meisten Spaß macht es mir, das Radwegenetz zu erkunden, neue Wege zu suchen und zu finden und sie zu bewerten. In Flensburg ist man sehr schnell aus der Stadt raus und auf einmal mitten im Nirgendwo. Das Ganze macht natürlich nicht ganz so viel Spaß wenn es regnet oder der Wind zu arg von vorne bläst. 

PMS: Erfährst du viel Unterstützung und Anerkennung bei deiner Arbeit? 

S.B.: Die Leute hier sind sehr nett und lassen mir viele Freiheiten in dem, was ich machen will. Wenn ich eine Idee an jemanden herantrage, wird sie sofort aufgegriffen, wir beraten inwieweit sie machbar ist und was wir tun müssen, um das durchzuziehen. Ich kann sehr selbstständig arbeiten, weiß aber, dass ich mich immer an jemanden wenden kann. 

PMS: Kannst du schon absehen, welche Erfahrung du aus deiner Arbeit mit nach Hause (oder "mit ins Leben") nehmen wirst? 

S.B.: Ich werde mich auf jeden Fall besser mit Radverkehr(-sregelungen) und Fahrrädern im Allgemeinen auskennen. Und ich werde auch nach diesem Jahr sehr viel (und wahrscheinlich mehr als vorher) Fahrradfahren. Dazu kommt, dass ich ja von zu Hause ausgezogen bin und sehr viel selbständiger werde, sowohl privat als auch wegen der Arbeit. Zudem habe ich sehr viele Einblicke in die Strukturen einer Stadtverwaltung und auch in den ADFC als Verein. 

PMS: Verrätst du uns deine Pläne nach der FÖJ-Zeit? 

S.B.: Würde ich, ich weiß aber immer noch nicht genau, was ich machen werde. Wahrscheinlich studieren, vielleicht in Richtung Biologie. Genaueres wird sich in diesem Jahr herausstellen. 

PMS: Was rätst du jungen Menschen, die sich ebenfalls mit dem Gedanken tragen, ein Freiwilliges Ökologisches Jahr zu machen? 

S.B.: Sie sollen sich damit beschäftigen, sich vielleicht mit ehemaligen FÖJlerInnen unterhalten und wenn sie Lust dazu haben, sollen sie es einfach machen. Vielleicht sollten sie auch ein wenig wetter- und dreckresistent und gerne draußen sein, dann werden sie sehr viel Spaß haben.

PMS: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft wünscht das PMS-Team!

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