01.10.2011 von PETT MAN SÜLM! Redaktion

Lübeck:  Öffnung der Königstraße für den Radverkehr in Gegenrichtung?

Nachdem die Überprüfung zur Freigabe von Einbahnstraßen auf der Lübecker Altstadtinsel nun abgeschlossen ist und die Verkehrszeichen installiert sind, fällt auf, dass die Königstraße weiterhin auch für den Radverkehr eine Einbahnstraße bleibt.

Kann man denn die Königstraße überhaupt für den Radverkehr in die Gegenrichtung freigeben?


Mit der Änderung der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung können Straßen mit einer Breite von drei Metern für den Radverkehr in die Gegenrichtung freigegeben werden. Bei Linienbusverkehr oder starkem LKW-Verkehr erhöht sich dieser Wert auf 3,50 m.

Nach der erstmaligen Zulassung von Radverkehr in die Gegenrichtung in Einbahnstraßen 1997 hatte es bereits eine Überprüfung gegeben. Die Ergebnisse lassen sich nachlesen in der Bürgerschaftsvorlage 123/1997 vom 18.03.1997. Danach hatte die Königstraße eine Breite von  4,00 m. Eine Überprüfung nach den neuen Regelungen hätte nach gesundem Menschenverstand zu dem Ergebnis führen müssen, dass die Königstraße zu öffnen ist.

In der Pressemitteilung über die Öffnung der anderen Einbahnstraßen in der Lübecker Altstadt heißt es zur Begründung für das Fehlen der Königstraße: "In der Königstraße, wo Radfahrer immer wieder verkehrswidrig entgegen der Fahrtrichtung fahren, kann keine offizielle Erlaubnis erteilt werden, weil diese Straße einen starken Bus- und Lieferverkehr aufweist. Zudem ist die Fahrbahn mit lediglich 3,20 Meter zwischen den Bordgerinnen zu schmal. "

Eine Nachfrage, wie es zu dieser wesentlich geringeren Begegnungsbreite kommen konnte, ergab, dass die Breite ohne die auf beiden Seiten doppelt verlegten Pflastersteine berechnet wurde. Die Breite zwischen den Bordsteinen bleibt also bei 4,00 m.

Da die Begegnungsbreite zwar in der Verwaltungsverordnung zur StV0 für die Berechnung der Mindestbreiten bei Einbahnstraßen benannt ist, aber ansonsten weder dort noch in den technischen Regelwerken definiert wurde, haben wir den Rechtsreferenten des ADFC Roland Huhn gebeten, zu der Frage Stellung zu nehmen. Im Wesentlichen verweist er auf einen ähnlichen Begriff. Der Begriff Fahrgassenbreite wird an anderer Stelle in der Verwaltungsvorschrift benutzt und ist in den Regelwerken auch definiert.

Danach wäre eine Öffnung der Königstraße für den Radverkehr in die Gegenrichtung möglich, da die Fahrgassenbreite zwischen den Bordsteinen gemessen wird.

Bleibt die Frage, ob es sinnvoll ist, die Königstraße für den Radverkehr in die Gegenrichtung zu öffnen. Das Argument, es fahren so viele Busse durch die Königstraße, ist bereits bei der erhöhten Mindestbreite von 3,50 m berücksichtigt worden.

Wie stehen die Leserinnen und Leser der PETT MAN SÜLM! zum Thema Öffnung der Königstraße? Wir sind gespannt auf die Reaktionen, die sowohl an die Redaktion, online auf pms-sh@de  oder direkt an den  ADFC Lübeck, Fischergrube 92,23552 Lübeck, acfc-luebeck@adfc-sh.de gesandt werden können.

(ADFC KV-Lübeck, Carsten Kramer)


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