08.10.2013 von PETT MAN SÜLM! Redaktion

Leserbriefe aus Heft 4/2013

Hier finden sich Leserbriefe von Lars Büngener, Peter De Leuw, T. Petersen, Joachim Becker, HaJo Wullschläger, Jörg Lucks und Rolf Jungbluth.

 


"Verkehrssicherheitsbericht" (Heft 3/2013)

 

Hallo liebe ADFC-ler, zugegeben, die Fahrradunfälle steigen minimal in den letzten Jahren. Der einmalige Anstieg um 10% lag am schlechten Wetter im Vorjahr, aber vielleicht sind wir Radfahrer dafür ja auch verantwortlich. Anstatt mit deutschen Verhaltensmustern - Schuldzuweisung und totale Kontrolle - zu reagieren, sollten wir allen Verkehrsteilnehmern Dank aussprechen, dass eine Steigerung der Fahrradkilometer um 60% innerhalb weniger Jahre nicht zum Desasster in der Unfallstatistik geführt hat. Weiter so! Jedes Wachstum führt unweigerlich zu negativen Effekten, mir fällt spontan das Industriewachstum auf Kosten der Umwelt ein. Das nehmen wir doch einfach hin, oder...? Es muss alles unterbleiben, was den Radfahrern die Lust nimmt. Wo man etwas tun kann, geht aus Ihrem Artikel sehr schön hervor: Die Infrastruktur in den Städten, die sich auf die neue Welle noch nicht eingestellt haben.

 Viele Grüße, Lars Büngener

 

Hallo-Pett-man-sülm-Team, es ist erfreulich, dass der ADFC den Verkehrssicherheitsbericht und die Reaktionen darauf mit deutlichen Worten darstellt und kommentiert. Nahezu typisch ist leider auch der Inhalt des Beitrags des Polizeibeamten Stephan Steffen, obwohl er es eigentlich besser wissen müsste. Es beginnt bereits mit den Bildern zum Beitrag und den entsprechenden Unterschriften: Ein mit dem Fahrrad nach rechts abbiegendes Kind, die Unterschrift: "Gefahrensituation 1: rechts abbiegen". Hier geht der Beitrag zum ersten Mal am Thema vorbei. Die Gefahrensituation "rechts abbiegen" entsteht, wenn Kraftfahrzeuge rechts abbiegen, ohne auf geradeaus fahrende Radfahrer zu achten. Der Abbiegevorgang von Radfahrern ist in der Unfallstatistik völlig unauffällig. Das stellt der Autor im Text dann auch richtig fest. Was er nicht richtig feststellt ist die Ursache für solche Abbiegeunfälle. Wenn Radfahrer sich nicht an die vorgesehene Radverkehrsführung hielten, tauchten sie "für Fahrzeugführer völlig überraschend" auf. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Warum entstehen die Rechtsabbiegeunfälle? Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass häufig die Radfahrer auf den Radverkehrsanlagen die Opfer sind. Eben weil sie die Radverkehrsführung nutzen und damit sich jenseits des Blickwinkels der Autofahrer bewegen, tauchen sie überraschend und mit fatalen Folgen für den Autofahrer plötzlich und aus dem Nichts auf. Demzufolge ist dann auch die spätere Schlussfolgerung falsch: "Radverkehrsanlagen nutzen!" - Genau das kann tödlich sein und ist es auch oft genug. Die Unfallstatistiken zeigen deutlich, dass das Risiko, einen Unfall zu erleiden, auf dem Radweg knapp dreimal höher ist als auf der Fahrbahn.

Peter de Leuw

 

 

Hallo Pett man sülm, ich befahre auf meinem Weg zur Arbeit seit Jahren die Helmholtzstraße in Lübeck, eine für Fahrradfahrer freigegebenen Einbahnstraße. In dieser Straße darf nur auf einer Seite geparkt werden, so dass der Platz für sich begegnende Fahrrad- und Autofahrer theoretisch ausreichend wäre. Praktisch gab es aber in dieser Straße vor Jahren eine Baustelle und seitdem wird die Straße auf beiden Seiten, also auch im Halteverbot, komplett zugeparkt. Das hat zur Folge, dass ein sicherer Begegnungsverkehr von Auto- und Fahrradfahrern dort nicht mehr möglich ist. Für mich ganz konkret bedeutet das, dass ich dort sehr oft massiv abgedrängelt, genötigt und auch bepöbelt werde, ich also als Fahrradfahrer völlig unnötig regelmäßig gefährdet werde. An Tempo 30 hält sich dort natürlich niemand, und für einen Fahrradfahrer abzubremsen oder womöglich Platz zu machen, scheint sowieso unmöglich für die meisten Autofahrer zu sein. Nachdem ich einmal wieder beinahe angefahren wurde, platzte mir die Hutschnur, und ich schrieb Anfang Mai 2013 eine Mail an den Ordnungsdienst und setzte gleich unseren Fahrradbeauftragten in cc. Nach einigen Mails hin und her, in denen ich auch mit Fotos die Situation belegt habe, bekam ich sinngemäß die Antwort, dass der Ordnungsdienst meinen Unmut zwar verstehen, aber wegen Personalmangels im Grunde nichts an der Situation ändern könne. Mir wurde dann noch geraten, ich könne mich ja auch an die Polizei wenden… Da frage ich mich, warum das nicht intern gleich an die Polizei weitergegeben werden kann? Sonntagsreden zu diesem Thema hat es viele gegeben, aber in der Praxis dominiert die Lübecker Autolobby in Politik, Verwaltung und auch bei der Polizei, und die hat natürlich überhaupt kein Interesse, die Bedingungen für die Fahrrad fahrenden Bürger zu verbessern. Und genau das ist aus meiner Erfahrung der Hauptgrund für die hohen Unfallzahlen.

T. Petersen, Lübeck

 

Zum Thema "Verunglückte Radfahrer pro 10.000 Einwohner" (PMS 3/2013, S. 15), warum Reinbek im Vergleich zu Rendsburg bei gleicher Einwohnerzahl so viel weniger verunglückte Radfahrer aufweist, erklärt unser Leser Joachim Becker folgendermaßen: 

 

Sehr geehrte Redaktion, Ihren o. g. Artikel beginnen Sie mit einer kritischen Bemerkung zur Aussagekraft von Statistiken, der ich beipflichte. Leider erliegen auch Sie im weiteren Text der Versuchung, "Äpfel und Birnen" miteinander in Beziehung zu setzen. Die "Städte" Reinbek und Rendsburg könnten unterschiedlicher kaum sein. Der relevante Zentralort Alt-Reinbek, den man "Städtchen" nennen könnte, hat keine 25.800, sondern nur knapp 15.000 Einwohner. Die restlichen 11.000 kommen aus fünf eingemeindeten Siedlungen, die bis zu 10 km entfernt in der grünen Pampa liegen. Der wahre Grund, warum Reinbek so gut dazustehen scheint, ist vermutlich: In Rendsburg gibt es wohl einfach viel mehr aktive Radfahrer je 10.000 Einwohner, so dass "die statistische Wahrscheinlichkeit zu verunglücken .... bla-bla-bla". In Reinbek ist die Fahrrad-Infrastruktur genauso schlecht und autogerecht wie überall im Land. Auf der Straße und in den Köpfen dominiert, noch deutlicher als anderswo, das Auto. Denn das Wohlstands-Niveau (Hamburger Speckgürtel), die Demographie (Durchschnittsalter 47 Jahre, fünf Altersheime im Ort) und Topographie (hügeliges Bille-Tal in Alt-Reinbek) sprechen nicht für das Fahrrad. Außerdem ist der ÖPNV hier, in einer sogenannten "Metropolregion", gut ausgebaut und akzeptiert. Sogar ein Anbieter von E-Bikes hat, wegen fehlenden Kundeninteresses, bereits wieder aufgegeben. So machen die paar vereinzelten, überzeugten Reinbeker Radler auch nur selten Ärger (s. u.) und freuen sich über das "tolle Ergebnis" einer lächerlichen Statistik. Mein Tipp: Wenn schon Statistik, dann bitte nur im Rahmen einer Satire!

Mit freundlichen Grüßen, Joachim Becker, Reinbek

 

Zum Artikel "Geisterstunde in Lübeck - Anti-Geisterradler-Kampagne" (PMS 3/2013, S. 19)

Moin, moin, das Problem der "linken Radwege" ist m.E. "behördengemacht"! Erst wird den Radfahrern eingebläut, sie müssen alle Wege mit blauer Fahrradbeschilderung benutzen, dann wird fröhlich links und rechts geschildert, und anschließend "abgezettelt" wg. Fahrens entgegen der Fahrtrichtung. Vielleicht hat sich in den Amtsstuben noch nicht herumgesprochen, dass in Deutschland RECHTS gefahren wird. Welcher Hirnie hat sich das linksseitige Fahren bloß ausgedacht - alle Publikationen bescheinigen dem ein stark erhöhtes Unfallrisiko - nur den Behörden ist es egal. Es ist ja nicht Ihr Risiko... Hauptsache kein Radfahrer auf der Straße! Beispiel gefällig: die Möllner Landstraße fast auf der gesamten Länge - wer "korrekt" fahren möchte, muss ständig die Seite wechseln

Mit freundlichen Grüßen, HaJo Wullschläger, Glinde

 

Zum Artikel "Über die Freiheit vom Auto" (PMS 3/2013, S. 28 ff.) 

Hallo pms-Team, der Artikel zum autofreien Leben ist sehr intressant. Es gab ja in den vergangenen Jahren schon einiges dazu, diesmal doch recht radikal. Ich habe derzeit kein Auto, das letzte, das ich hatte war alt und ich teilte es mit jemandem (ich 70% sie 30%). Ich vermisse ab und zu schon ein Auto, wenn z.B. ich mit den Kindern (Papa-Wochenende) wohin will, oder mit viel Werkzeug nach Schleswig muss. Das kostet am Wochenende viel Zeit, da fahren weniger Busse (und der Bahnhof ist in FL und SL abgelegen). Einkaufen tue ich öfter und nicht so große Mengen, dann klappt das gut mit Rad oder zu Fuss. 

Beste Radelgrüße, Jörg Luck

 

Zum Thema "Verreisen mit dem Fahrrad": 

Sieh, das Ferne liegt so nah - in Schleswig-Holstein. Kein schlechtes Gewissen im Flieger auf dem Flug zum Radurlaub in Vietnam oder auf langer Fahrt mit Auto oder Bahn. Der Urlaub beginnt und endet an der Haustür. Zwei Meere, Seen und sogar Berge, alles vor der Tür! Und legendär unsere Alleen! Wer es exotisch liebt, hat auf dem deutsch-dänischen Grenzradweg zwei Länder immer im Blick und unter den Reifen. Die „große Weite Welt“ begegnet dir an den Ufern von Nord-Ostsee-Kanal. Baden in der Elbe statt im Amazonas ist viel schöner, und es gibt hier keine Piranhas und Krokodile. Eine spannende (Rad-)Reise durch unser schönes Land wünscht

Rolf Jungbluth


 

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