02.01.2014 von Klaus Holst

Gefederter Lenker statt gefederter Gabel -

Ein Lenker mit Schwingungsdämpfer beflügelt die Gelenke

Eine Erfindung aus Schleswig-Holstein könnte das Ende der gefederten Vordergabel einläuten: Ein Schwingungsdämpfer im Lenker. Er ist leicht, effektiv und wartungsfrei. Die Nachteile der (Billig-)Federgabel dagegen sind bekannt: schwer, ineffektiv, träge, wartungsbedürftig. 

Welche(r) Radfahrer(in) kennt das Problem nicht: Die Laufräder sind vorschriftsmäßig aufgepumpt, der Wegebelag ist holperig, es geht über schlecht abgesenkte Kantsteine, über Auf- und Abfahrten, durch Schlaglöcher oder über unbefestigte Wege. Wo man flott und komfortabel vorankommen möchte, muss man unfreiwillig am Rodeo-Reiten teilnehmen.

Trotz Federgabel werden die harten Schläge unmittelbar über den Lenker auf die Handgelenke übertragen. Wer sein Rad täglich zur Fortbewegung nutzt, kennt die Schmerzvarianten von lahmen Handgelenken, Beschwerden im Schulter-Nackenbereich bis hin zum Golf- oder Tennisarm.

Genau diese Schmerzen veranlassten Carsten Kröger, Inhaber der Firma "Heilmacher - Erfinden aus Leidenschaft" in Klein Nordende bei Elmshorn, sich etwas einfallen zu lassen: einen schwingungsentkoppelten Lenker, der sich problemlos nachrüsten lässt und das Sicherheitsgefühl beim Fahren nicht beeinträchtigt.

Die beim Fahren entstehenden harten Schläge gelangen in den Lenker bis kurz vor die Handgriffe, dort werden sie durch jeweils einen Elastomerpuffer weitest gehend neutralisiert so dass selbst miserable Radwege ihre Schrecken verlieren und sogar eine versehentliche Fahrt durch ein unerwartetes, tiefes Schlagloch zumindest für die Handgelenke erträglich wird. Alles in allem eine sehr praktikable Lösung, die das tägliche Fahren trotz gut aufgepumpter Reifen wesentlich komfortabler macht. 

Eine Probefahrt mit dem gefederten Lenker ist ein interessantes Erlebnis. Zunächst bemerkt man keinen Unterschied, es geht wie gewohnt glatt und flott voran. Doch dann kommt die berüchtigte Stelle auf dem täglichen Weg zum Bahnhof, wo das Betonpflaster auf und ab hüpft und die Kantsteine kaum abgesenkt sind.

Da zeigt sich, was der Lenker kann: er schluckt mindestens die Hälfte der Unebenheiten weg und hilft, das üble Pflaster zu vergessen. Daran kann man sich schnell gewöhnen, ebenso wie an den Namen dieses Wundermittels: CHIC'nWings - McDonald lässt grüßen! Und Rodeo-Reiten gibt es zukünftig nur noch auf dem Jahrmarkt.

 CHIC'nWings wurde kürzlich auf der Hausmesse des Fahrradherstellers Böttcher (Heide/Holstein) vorgestellt und dort mit großem Interesse von den Fachhändlern aufgenommen. Der DIN-Test ist noch nicht abgeschlossen, da zusätzlich noch eine Abriss-Sicherung (2 mm Stahlseil) in die Elastomere integriert wird. Diese wird noch einer weiteren Prüfung unterzogen.

Somit wird der CHIC'nWings-Fahrer nicht zum "Versuchskaninchen" gemacht. Denn selbst wenn die Federung aus unbekannten Gründen (z.B. Vandalismus) beschädigt wird, kann sich der Griff nicht vom Lenker lösen, Lenker und Griffe bleiben sicher verbunden.

 CHIC'nWings wird ab Anfang 2014 im Handel erhältlich sein und dann über den Fachhandel und über das Internet auf den Markt kommen. Eine "Testfahrt" kann man aber schon jetzt unternehmen, nämlich im Internet unter http://www.chicnwings.de/ 

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Kommentar von Matze 2Rad Meister | 09.05.2016

Hallo,
die Beschreibung blendet leider die Grundlagen zur Fahrwerksfederung aus. Ich möchte keine "Wackelgriffe" fahren! Das physikalisch-technische Problem ist, dass Federung immer ein Schwingungsdämpfer ist. Man möchte also die Schwinung vom Fahrzeug entkopplen. Dazu muss aber die gefederte Masse des Fahrzeugs groß genug sein. Das ist bei gefederten Sattelstützten (du selten funktionieren)/ Vorbauten/ Lenkern NICHT der Fall. Einzig eine ergonomisch richtig eingestellte Sitzposition und ein korrekt eingestelltes Fahrwerk eines vollgefederten Fahrrads können Abhilfe schaffen. Mfg M. Oesterling