03.07.2011 von Klaus Holst

Fahrradtourismus: mit Qualität zum Erfolg

Für Millionen Deutsche beginnt der Urlaub mit dem Tritt in die Pedale. Die große Mehrheit von ihnen bevorzugt dabei heimische Routen: 86,3 Prozent der deutschen Radurlauber entschieden sich 2010 für Reiseziele im eigenen Land. Das zeigt die ADFC-Radreiseanalyse 2011, die der ADFC im Frühjahr auf der Internationalen Tourismus-Börse
in Berlin (ITB) vorstellte.

Bertram Giebeler, stellvertretender Bundesvorsitzender des ADFC, sieht im ungebrochenen Trend zum Radurlaub in Deutschland einen Beleg für die hohe Qualität des deutschen Radroutennetzes: „Insgesamt hat Deutschland eine radtouristische Infrastruktur, die unter größeren Ländern weltweit ihresgleichen sucht. Solch eine Spitzenstellung hat unser Land längst nicht in allen Tourismusbereichen.“ Zum beliebtesten deutschen Radfernweg kürten die Radurlauber auch 2010 wieder den Elberadweg, Platz zwei und drei belegen der Mainradweg und der Weser-Radweg. Der Elberadweg ist damit zum siebten Mal in Folge auf dem Spitzenplatz. Bei den Regionen liegt Mecklenburg-Vorpommern ganz vorn, gefolgt von Franken. Im Ausland führen die österreichischen Radfernwege, allen voran der Donauradweg. Auch Etsch- und Inn-Radweg sind bei den befragten Radreisenden sehr beliebt. Bei den ausländischen Regionen und Ländern liegen die Schweiz, Südtirol und erstmals Schweden an der Spitze. Auch für viele Touristen aus dem Ausland, die in Deutschland Urlaub machen, spielt das Rad eine wichtige Rolle: Radfahren ist mit 19 Prozent die häufi gste sportliche Aktivität während ihres Aufenthaltes, noch vor Wandern (16 Prozent) und Baden im Meer/See (9 Prozent). Bertram Giebeler sieht hier allerdings noch großes Entwicklungspotenzial: „Deutschland muss als Radlerland auch im Ausland stärker beworben werden“, so Giebeler. Projekte wie das „Radnetz Deutschland“ machen aber nur langsam Fortschritte. Von den zwölf geplanten Premium-Radrouten durch Deutschland wird zurzeit lediglich die D-Route 3 im Rahmen eines Pilotprojektes verwirklicht. Giebeler: „Das ,Radnetz Deutschland‘ ist ein Top-Produkt. Es muss gestärkt und gefördert werden – nicht nur auf Landes-, sondern auch auf Bundesebene.“ Gefragt ist eine Politik, die den Stellenwert  des Fahrrades begreift: als bedeutender Wirtschaftsfaktor im Tourismus, aber auch als nachhaltiges und gesundheitsförderndes Verkehrsmittel mit exzellenter Kosten-Nutzen-Bilanz. Giebeler: „Die Politik sollte die Leuchtturmposition Deutschlands im Radtourismus und im Alltag weiter verstärken. Dazu gehört, dass Bremsklötze beiseite geräumt werden.“ Als Beispiel nennt Giebeler die fehlende Fahrradmitnahme im ICE. Die Deutsche Bahn weigert sich seit Jahren beharrlich, eine EU-Richtlinie umzusetzen, die für alle Züge die Möglichkeit der Fahrradmitnahme vorschreibt. Wie die deutschen Radfernwege erfolgreich vermarktet und weiterentwickelt werden können, zeigt die 2006 vom ADFC begonnene Zertifi zierung. Die Alte Salzstraße, der Südschwarzwald-Radweg und die Deutsche Fußball-Route NRW wurden zur Saison 2011 als ADFC-Qualitätsradrouten ausgezeichnet. Damit gibt es jetzt insgesamt 20 zertifizierte Radfernwege in Deutschland. Auf ihre Qualität können sich Radurlauber dank der strengen Bewertungskriterien verlassen.
(ADFC Pressemitteilung)

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