02.01.2014 von Frank Spatzier

Es werde Licht

Foto: Frank Spatzier

Im Dunkeln ist gut Munkeln, Radfahren dagegen weniger. Und wenn, dann nur mit guter Beleuchtung. Am Rad, versteht sich. Zum Glück herrscht kein Mangel an Fahrradlampen, das Angebot ist riesig. Von der müden Notfunzel bis zur Gasentladungslampe lässt sich vieles ans Fahrrad schrauben, das leuchtet. Doch was taugen die unterschiedlichen Technologien in schwarzer Nacht, schneidender Kälte und bei Regen? Oder allem gleichzeitig? Wir bringen Licht ins Dunkel.

Die Nacht kommt gerne mal überraschend, besonders jetzt im Winter. Manchmal fragt man sich sogar, ob es überhaupt Tag ist. Dann nämlich, wenn dichte Bewölkung und der nordisch-niedrige Sonnenstand ein diffuses Dauerdunkel verursachen. Jetzt muss Licht her, und zwar gutes. Mal um zu sehen, mal um gesehen zu werden.

Es ist nicht lange her, da waren Halogenlampen der Stand der Technik. Heute beherrscht die Leuchtdiode (LED) den Markt. Lange Lebensdauer und ein sehr hoher Wirkungsgrad machen sie sicher und leistungsfähig. Hier kann kein Glühdraht mehr reißen, ein solider Halbleiterkristall erzeugt das Licht. Und das nicht zu knapp, bis zu 110 Lux erreichen moderne LED-Fahrradlampen an Helligkeit.

Das schaffen sie mit vergleichsweise wenig Energie - die 6 Volt / 0.5 Ampere gängiger Nabendynamos reichen dicke dafür aus. Seitenläuferdynamos schaffen das auch, geraten bei Nässe aber gerne mal ins Stolpern. Folge: Energie und -lichtmangel, und das zur Unzeit.

Versorgt werden dürfen Fahrradlampen seit Neuerem auch mit Batterie- oder Akkustrom. Was bis August 2013 nur leichten Rennrädern unter 11 kg Gewicht gestattet war, gilt nun auch für alle anderen Fahrradsorten. Jedenfalls dann, wenn Batterien oder Akkus zusammen 6 Volt Spannung erzeugen und die Lampen fest am Fahrrad angebracht sind. Die beliebten Aufstecklampen fallen dabei in einen rechtlichen Graubereich, den sie mit ihrer meist schlechten Leuchtleistung auch kaum aufhellen dürften.

Wer hier Qualität sucht, muss tiefer ins Portemonnaie greifen. Dann aber lohnt sich meist eine festinstallierte Lichtanlage mit Nabendynamo. Denn der liefert den Strom zuverlässig, entlädt sich nicht und macht auch bei Minusgraden keine Zicken. Einfach aufs Rad steigen, Licht einschalten und sorgenfrei in die Winternacht radeln.

Ein wenig Aufmerksamkeit sollte man übrigens der Kabelverlegung widmen. Besonders bei Rädern „von der Stange“ gibt es oft dünne Klingeldrähtchen, die mal gerne am Unterrohr des Rahmens entlang geführt werden. Ihre Lebensdauer ist im Dauerbeschuss mit Schmutz, Matsch und Wasser sehr bescheiden.

Doch Licht ist nicht gleich Licht, selbst bei guten LED-Scheinwerfern der Oberklasse. Auch hier liegt der Teufel mal wieder im Detail, sprich im Verhältnis der Ausleuchtung von Nah- und Fernbereich. Einige Lampen werfen ihr Licht eher direkt vor das Fahrrad und kümmern sich nicht um entfernte Ziele. Der Vorteil liegt auf der Hand: Vor allem im Stadtbereich ist es oft sinnvoller, Schlaglöcher oder Glasscherben schnell zu erkennen.

Anders auf dunklen unbeleuchteten Wegen. Hier will man schon sehen, wo es später lang geht und ob es Hindernisse gibt. Dazu muss sich die Lampe dem Fernbereich widmen.Gute Information ist Pflicht vor dem Kauf. Ansonsten kann man die Lampe während der Fahrt verstellen, was aber nur geht, wenn sie am Steuerrohr montiert ist. Ebenfalls wichtig ist das Prüfzeichen des Kraftfahrt-Bundesamtes, durch das eine Fahrradlampe für den Verkehr zugelassen wird. Sie ist erkennbar am Buchstaben K, gefolgt von einer Nummer.

Dass gerade diese Behörde Fahrradlampen zulassen darf, ist nicht ohne Ironie. Ihr geht es darum, dass Autofahrer nicht durch Fahrradlampen geblendet werden. Die Blendwirkung einer hochgezüchteten KFZ-Beleuchtung im dreistelligen Wattbereich ist dagegen behördlich weniger interessant. Dabei kann ein guter LED-Scheinwerfer zuweilen Wunder wirken. Häufig bringt er außerorts auf unbeleuchteten Straßen Autofahrer dazu, das Fernlicht auszuschalten. Die Halogenlampen der vergangenen Jahre hatten nämlich oft nicht ausgereicht, um von Autofahrern als Gegenverkehr ernstgenommen zu werden.

Ich leuchte, also bin ich - diese Devise gilt vor allem für Radfahrer. Eine gute Beleuchtung ist Pflicht, und das nicht nur im Winter oder nachts. Dank moderner LED-Technologie und praktischen Nabendynamos ist die Lichtanlage längst nicht mehr der Schwachpunkt am Fahrrad, der sie früher mal war.

Übrigens, die Gasentladungslampe aus dem Vorspann bringt es auf 140 Lux und ist nicht für den Straßenverkehr zugelassen. Sie könnte ja blenden...

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