03.07.2010 von Frank Spatzier

Elektroräder – Bequemlichkeit um jeden Preis?

Anstiege, Gegenwind, wehe Knie oder ein schlechter Tag: Radfahren macht nicht immer Spaß. Es kann ausgesprochen anstrengend sein, manchmal sogar schmerzhaft. Das ist die vermeintliche Kehrseite eines Mobilitätskonzepts, das im Kern ausschließlich auf Muskelkraft setzt. Doch liegt nicht gerade darin der Grund seiner Nachhaltigkeit, sein ursprüngliches Wesen und sein Reiz?

Nicht jedes Fahrrad ist ein Sportgerät, aber jede Radfahrt hat einen sportlichen Aspekt. Jede Fahrt trainiert den Körper. Und je härter die Herausforderung, desto größer der Gewinn. Pedelecs und E-Bikes bieten Komfort, aber verhindern das Wachsen mit den Aufgaben. Alltägliches Radeln mag leichter werden, doch reduzieren sich damit auch die positiven körperlichen Effekte. Keine Frage, für Menschen mit körperlichen Beschwerden können Elektroräder eine Bereicherung sein. Ohne Wenn und Aber. Doch ihr Vordringen in die Bereiche Alltagsmobilität und Radtourismus wirft die Frage auf, wo das Fahrrad endet und das Kraftrad beginnt. Die Ladestationen am Radfernweg zeigen nämlich, dass mit der Elektrifizierung nicht nur die energiebezogene Unabhängigkeit des Radfahrens verloren geht, sondern auch seine Nachhaltigkeit. Denn irgendwo müssen die Kraftwerke ja stehen, die die ganzen Akkus füllen.

Und außerdem: Gehört zu einer echten Radtour nicht der Kampf mit den Elementen, der Schweiß und schließlich der Stolz, es aus eigener Kraft geschafft zu haben? Das unmittelbare und direkte Erleben der Landschaft mit all ihren Eigenheiten? Selbst Kraftprotze planen ihre Routen, indem sie Topografie und Kraftreserven kombinieren. Wem ein Berg zu steil ist, schafft ihn vielleicht mithilfe eines Elektromotors. Aber der nächste Berg wird zur senkrechten Mauer, wenn der Akku leer ist und man verlernt hat, kräftig in die Pedale zu treten. Und das wäre dann der Preis der Bequemlichkeit.

(FS)

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