08.10.2013 von Frank Spatzier

Editorial Heft 4/2013: Konkrete Taten statt blumiger Worte

Als Bundeskanzlerin Merkel Ende August die Eurovelo in Friedrichshafen eröffnete, strahlte der ADFC-Bundesverband. Sie habe den Radverkehr zur Chefsache gemacht, bedankte sich der Bundesvorsitzende Ulrich Syberg. Und: Das Fahrrad sei nun in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen. 

 

Als ob es dort nicht schon immer gewesen wäre. Anders sieht es freilich mit der Spitze der Bundespolitik aus. Dort führte das Fahrrad bisher ein eher stiefmütterliches Dasein. Ressortchef Ramsauer jedenfalls fiel vor allem durch massive Mittelstreichungen und „Kampfradler“-Debatten auf. Blumige Wahlkampfworte also, ohne jeglichen Bezug zur politischen Realität?


Die Antwort wird die Zukunft bringen. Fakt ist, dass der Anteil des Radverkehrs beständig zunimmt. Und damit auch die Zahl der Wähler, denen eine gute Radverkehrspolitik wichtig ist. Spitzenpolitiker werden sich in Zukunft verstärkt daran messen lassen müssen, wie ernst es ihnen mit der Förderung des Radverkehrs ist. Und zwar in konkreten Taten, nicht in wohlfeilen Worten. Für Merkel kam diese Erkenntnis im August zwar reichlich spät. Sie lässt aber hoffen, dass das Fahrrad einen prominenteren Platz in den Köpfen von Spitzenpolitikern einnehmen wird.

Dass auch die Justiz zuweilen fragwürdig mit den Interessen von Radfahrern umgeht, zeigte ein Urteil des OLG Schleswig. Klassische Unfallsituation: Ein Autofahrer öffnet plötzlich die Tür, eine Radfahrerin fährt hinein und stürzt. Weil sie aber keinen Helm trug, erklärte das Gericht die Frau für mitschuldig an ihren Verletzungen. Eine „Helmpflicht durch die Hintertür“, der sich Wolfgang Raabe in dieser Ausgabe ausführlich annimmt.   

Über einen Fahrradladen der besonderen Art berichtet Klaus Holst. Er hat „Rad Oldesloe“, dem Radladen der Stormarner Werkstätten einen Besuch abgestattet. Dort verkaufen und reparieren Menschen mit Handicap Fahrräder aller Art - und das mit bestem Erfolg. 

Ein wichtiges Thema besonders in der kalten Jahreszeit ist die Auswahl des richtigen Reifens. In dieser Ausgabe versuchen wir, ein wenig Licht in den Dschungel der unterschiedlichen Breiten, Typen und Profile zu bringen.  

Als Anregung für die Urlaubsplanung berichten wir zudem von einer spannenden Radreise in das ehemalige Ostpreußen und Memeldelta. Eine geschichtsträchtige Region, die ihre vielfältigen Reize besonders dem Radreisenden offenbart - auch wenn es auf den Straßen mal holprig zugeht.

Für die kommenden Wochen wünschen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen angenehmen Herbst, der noch hoffentlich viele schöne Tage für Radtouren mitbringt. Und falls nicht: besonders im Herbstregen zeigt Schleswig-Holstein ungeahnte Facetten!

Für die Redaktion der PETT MAN SÜLM 

Frank Spatzier 


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