20.08.2015 von Frank Spatzier

Editorial Heft 3/2015: Mit den Aufgaben wachsen

Wer dort lebt, wo andere Urlaub machen, darf sich glücklich schätzen. So gesehen dürften die Menschen in Schleswig-Holstein besonders gute Laune haben. Zwei Meere, urige Dörfchen, schillernde Städte, Flachland, die Holsteinische Schweiz und ihre Seen - der Norden geizt nicht mit Reizen. Kurz: Schleswig-Holstein ist ein prima Urlaubsland. 

Nun muss es nur noch ein prima Fahrradland werden. Der Radtourismus ist stark im Kommen - und da wäre es tragisch, wenn er nicht dorthin käme, wo er bestens hinpasst.

Doch wer hierzulande wohnt und viel Rad fährt weiß, dass es noch ein langer Weg ins Fahrradland ist. Viele - wohlgemerkt benutzungspflichtige - Radwege sind unzumutbare Rüttelpisten. Vielleicht lässt man das Gras an den Radwegrändern nur deshalb gerne wuchern, damit das Elend verdeckt wird.

Und dann die Posse mit der Genehmigungspflicht geführter Radtouren. Anstatt lokale Bemühungen für den Radtourismus zu fördern, wirft man den Veranstaltern Knüppel zwischen die Speichen. Vielleicht sollten die Verantwortlichen aus Kiel mal öfter den Dienstwagen stehen lassen und mit dem Rad durch die Lande rollen. Das macht den Kopf so herrlich frei.

Um „Fahrradland Nummer 1“ zu werden, ist es also noch ein weiter Weg. Doch keine Bange, auch Verkehrspolitiker können mit ihren Aufgaben wachsen. Um ein wenig dabei zu helfen, wollen wir in dieser Ausgabe eine Diskussion zum Thema Genehmigungspflicht anstossen. Den Auftakt macht ein Beitrag von Dr. Patrick Beyer, Landtagsabgeordneter der Piratenpartei.

Jürgen Lieske, neuer Ansprechpartner der Ortsgruppe Wedel, nimmt die Fahrradständer der Welau-Arkaden unter die Lupe, denen er eine Gefahr für Felgen attestiert. Kaputte Felgen und andere Schäden sind dagegen das Einsatzgebiet der „Rad-Retter“, über die wir in dieser Ausgabe berichten. Bei ihnen kommt den metallenen Patienten ein umgebauter Krankenwagen zu Hilfe, der sie bei Bedarf auch ins Kranken-, pardon ins Fahrradhaus bringen kann.

Klaus Holst beleuchtet ein meist wenig beachtetes aber trotzdem immens wichtiges Bauteil am Rad, nämlich die landläufig „Ständer“ genannte Parkstütze. Und Olaf Busack schildert seine Eindrücke, die er auf den Critical Mass-Aktionen in Kiel gewonnen hat.

Nach diesem durchwachsenen Frühjahr wünschen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen prächtigen Sommer mit besten Radfahr-Bedingungen. Denn nicht nur die Landespolitik, sondern auch das Wetter kann mit seinen Aufgaben wachsen. Für die Redaktion der PETT MAN SÜLM Frank Spatzier

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