13.03.2014 von Frank Spatzier

Editorial Heft 2/2014: Heiliges Blechle

In den Städten regiert das Blech. Es drückt sich lärmend durch die Straßen und sondert Abgase ab. Doch die meiste Zeit steht es. Nicht nur im Stau, sondern überall sonst, wo Platz ist. Fahrzeuge sind vor allem Stehzeuge, und irgendwo muss der Platz zum Stehen schließlich herkommen. Ob Fußgänger, Radfahrer oder Einsatzfahrzeuge durchkommen, ist egal. Hauptsache, die Karre parkt.


In Lübeck kam es Ende Januar zum Eklat. Der Grund: Innensenator Möller (Grüne) hatte angekündigt, Falschparker künftig rigoros bestrafen zu lassen. Das weckte den Wutbürger im Autofahrer, und der sah sich abgezockt und entrechtet. Eine Bürgerinitiative samt Website wurde gegründet, man sammelte Unterschriften, diskutierte und protestierte. Das Blech ist dem Autofahrer eben heilig, da muss alles andere zurückstehen.

Doch sind die Blechwüsten wirklich lebenswert, in die sich unsere Städte verwandeln? Wohl kaum. Auch die schönste Backsteingotik leidet vor einer Kulisse aus Blech, Lärm und Gestank. 

In dieser Situation erscheint das Radfahren in einem anderen Licht: Wer Rad fährt, leistet einen wichtigen Beitrag für die Gemeinschaft. Jeder Radfahrer entlastet die Straßen, schont die Luftqualität und vermindert die Lärmkulisse. Fahrräder verstopfen auch nicht Bürgersteige und Straßenränder, wenn sie nicht gebraucht werden. Kurzum, die Gesellschaft sollte jedem Radfahrer dankbar sein - und es ihn spüren lassen.

Doch noch immer ist das Gegenteil der Fall. Intelligenter und gerechter wäre folgendes Umdenken: Warum mal nicht den Radverkehr finanziell fördern? Nicht abstrakt und kollektiv, sondern individuell und personengebunden. Wie wäre es mit einem Förderbeitrag für den Fahrradneukauf? Oder einer dicken Prämie für jeden, der sein Auto abschafft und auf‘s Rad umsteigt? Oder einem Reifengroschen für Vielradler? 

Utopisch? Vielleicht. Doch nachvollziehbar auf jeden Fall. Wer der Gemeinschaft einen Schaden zufügt, soll zahlen. Und wer dazu beiträgt, die Lebensqualität der Gemeinschaft zu verbessern, muss belohnt und gefördert werden. Radfahrer müssen als Menschen wahrgenommen werden, die mithelfen, die Lebensqualität aller verbessern. 

Doch bis es soweit ist, wird noch mehr Blech unsere Städte besetzen, wird die Luft dicker und der Lärm lauter werden. Aber keine Angst, so viel Luft nach oben ist da nicht mehr. Schließlich sorgen die Blechmassen in den Städten selbst dafür, dass Autofahren zunehmend unattraktiv wird.

Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Spaß, Freude und Entspannung auf Ihren Wegen mit dem Fahrrad.

Für die Redaktion der PETT MAN SÜLM

Frank Spatzier  


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