27.02.2015 von Kai Wüstermann

E-Bike-Wellness im Bayerischen Wald

Der Bayerische Wald ruft mit ursprünglicher Natur und Bergen. Um die Interessen der Familienmitglieder unter einen Hut zu bekommen, buchen wir im Glashotel Zwiesel mit großen Wellnessbereich. Die Frauen lassen sich von der Physiotherapeutin massieren, ich vom Fahrradsattel, so der Plan.

Mit dem E-Bike in die Berge! Schon am ersten Urlaubstag bietet der Chef, Werner Wittke, eine E-Bike-Tour an. Als ADFC-Tourenleiter weiß ich es zu schätzen, sich von Einheimischen die Gegend zeigen zu lassen. So ist es kein Zufall, wenn man die schönen Ecken sieht.

Die Frage, ob ich mit meinem Fahrrad ohne Unterstützung mitfahren könne, beantwortet er mit: „Na, das geht nicht.“ Recht sollte er behalten. E-Bikes sind sein Hobby, und so stellt er uns zwei E-Mountain-Bikes vom Feinsten zur Verfügung: große Akkus, Mittelmotor und voll gefedert. Wir sind sofort beim „Du“, dann kann es los gehen.

Nach kurzer Abfahrt durch die Stadt kurbeln wir gemächlich hinauf nach Rabenstein. Hier haben wir Gelegenheit uns mit der elektrischen Unterstützung vertraut zu machen. In Rabenstein fahren wir durch den Ort und es gibt ei- nen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet. Wegen des Mittelmotors stehen „nur“ 10 Gänge zur Verfügung, und so ist die Übersetzung des ersten Gangs recht lang. Zeitweise benötige ich schon die zweite Unterstützungsstufe. Dann geht es in den Wald und weiter bergauf, zuerst auf Asphalt dann auf Schotter.

Die Tour führt vorbei an Hennenkobel und Hahnenriegel. Links ist das Tal, rechts der Berg, an Aussichtspunkten wird eine kleine Pause eingelegt. Zwischendurch geht es genauso steil bergab, wie es hinauf geht. Mit der fein ansprechenden Federelementen sind auch auf Schotter Geschwindigkeiten bis 50 km/h kein Problem.

Die Scheibenbremsen und die grobstolligen Reifen bauen enorme Bremskräfte auf. Nach dem Mittagessen veranstaltet Werner noch eine kleine Werbeveranstaltung fürs E-Biken: „Hier geht es jetzt vier Kilometer den Berg hoch. Da fahren wir etwas schneller.“ Schon ist er weg. Die Unterstützung auf „Power“ gestellt und mit 25 km/h versuche ich, ihn einzuholen, was kaum gelingt.

Auf dem Rückweg geht es nur noch abwärts. Nach vier Stunden, 45 km und 800 Höhenmetern kommen wir zurück zum Hotel. Die Tour war auch mit Motorunterstützung anstrengend und man freut sich auf die Dusche und das Entspannungsbad im hauseigenen Schwimmbad. Kurz vor dem Einschlafen habe ich eine besondere Erinnerung ans E-Bike-Fahren. Es gibt immer einen leichten Schwung von hinten. Segler kennen dieses Phänomen. Wenn sie wieder an Land auf dem Sofa sitzen, haben sie das plötzlich Gefühl, es würde schwanken.

Ein paar Tage später steht wieder eine geführte E-Bike-Tour auf dem Programm. Über Lindberg fahren wir am Flüsschen Große Deffernik mit wenig Steigung nach Zelezna Ruda in Tschechien. Dann geht es wieder in den Berg, diesmal auf Asphalt. Auf 1030 m liegt wunderschön der Teufelssee (Certovo jezero). Er ist umgeben von einer hohen Felswand.

Die Abfahrt von dort geht über einen steilen schmalen Wanderweg und ist später gespickt mit Wurzeln. Ein ideales Terrain für ein Full. Auf dem Weg zum Berg Spicak kreuzen wir ein Downhill-Rennen. Es ist schon faszinierend, mit welchem Mut die Biker die mit Schanzen und ausgefahrenen Kurven gespickte Strecke herunter heizen.

Sie benötigen kein E-Bike, sie fahren mit dem Sessellift auf den Spicak. Das Rad hängt dabei am Haken. Wir sind nicht so faul; wir benutzen die Straße zum Gipfel hinauf. Oben reicht der Blick weit über die tschechische Landschaft, die nur sehr dünn besiedelt ist. Nach der Abfahrt geht es noch einmal vorbei an mehreren großen Hotels hinauf zum Pancifi und dann zurück nach Zelezna Ruda.

Dort kehren wir ein. Die Rechnung ist so überraschend, dass das Trinkgeld recht üppig ausfällt. Trotzdem gebe ich keine 10 Euro für drei Personen aus. Über Zwieseler Waldhaus führt unser Weg zurück nach Zwiesel. Die Abfahrt ist nicht so rasant wie sonst im Bayerischen Wald, dafür sehr lang.

Fazit:

Bisher war ich E-Bikes gegenüber zwar aufgeschlossen, aber meinte so etwas nicht zu brauchen. Doch wer im Bayerischen Wald nicht nur im Tal bei den Autos bleiben möchte, benötigt mindestens ein sehr kurz übersetztes Mountain-Bike. Sonst schiebt man. Mit dem E-Bike erweitert man den Radius, so dass man auch mal etwas anderes sieht, als den Hausberg. E-Bike in den Bergen zu fahren ist übri- gens anstrengend. Wer keinen Druck auf die Pedale bringt, hat auch keine Unterstützung.

Kai Wüstermann

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