01.03.2010 von PETT MAN SÜLM! Redaktion

Dicke Bretter bohren

Interview mit dem neuen Landesvorsitzenden des ADFC Schleswig-Holstein, Heinz-Jürgen „Heiner“ Heidemann

Am 26. September letzten Jahres wurde Heiner zum Ersten Vorsitzenden unseres Landesverbandes gewählt. Seine ersten 100 Tage im Amt sind schon lange verstrichen, so ist es höchste Zeit, ihn einmal in der "Pett man sülm!" zu Wort kommen zu lassen.

PMS: Wann und wie hast du den ADFC kennen gelernt?

Heiner: Mitte der 80-iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts (!) berichtete der „Leverkusener Anzeiger“ über Bemühungen, eine  ADFC-Ortsgruppe ins Leben zu rufen. Ich wohnte damals in Leverkusen und meine Beitrittserklärung trägt das Datum 15.02.1986. Wir waren zunächst weniger als ein Dutzend Aktive vor Ort. Seit 1995 wohne ich in Kellinghusen.

Warum bist du im ADFC?
Für mich war das Fahrrad bereits als Jugendlicher das bevorzugte Verkehrsmittel in Alltag und Freizeit. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Deshalb habe ich an meinem Auto ganz bewusst den Aufkleber angebracht: VIEL LIEBER FAHR ICH RAD!

Wo siehst du schwerpunktmäßig deine Aufgaben als Vorsitzender?
Die Förderung des Fahrrads als Verkehrsmittel ist eine Querschnittsaufgabe, die Auswirkungen weit über die Wahl für dieses Fahrzeug in die Gesellschaft hinaus hat. Über die positiven gesundheitlichen und sozialen Aspekte sowie die Minderung schädlicher Abgase bei Erhöhung des Fahrradanteils im Modal-split gibt es hervorragende Ausarbeitungen, die in der Öffentlichkeit verstärkt wahrgenommen werden müssen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Bundesverband?
Ich vertrete den Landesverband SH im Bundeshauptausschuss, dem nach der Bundeshauptversammlung höchsten Entscheidungsgremium unseres Verbandes. Dort und bei den Kontakten mit dem Bundesvorstand gibt es im Sinn unserer Ziele vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Gruppen vor Ort?
Es ist mir bewusst, dass die Hauptarbeit von den Aktiven vor Ort geleistet wird. In einigen Fällen konnte ich in der Vergangenheit Hilfestellung bei der Gründung von Ortsgruppen und deren Organisation geben. Auch einige bestehende Gruppen habe ich besucht. Gerne komme ich auf Einladung, entweder zu einem Treffen oder zur Unterstützung bei einer Veranstaltung. 

Welche Einflussmöglichkeiten des ADFC siehst du bei ......verkehrspolitischen Entscheidungsgremien?
Hier heißt es, dicke Bretter bohren. Fälschlicherweise wird noch zu oft das Fahrrad als Luxusvariante im allgemeinen Verkehrsablauf wahrgenommen. Hier gilt es, die Vorteile des Radverkehrs immer wieder zu betonen. Der Landesverband tut dies bei Kontakten mit Landespolitikern, den zuständigen Ministerien und im landesweiten Fahrradforum. Die Ortsgruppen nehmen ihren Möglichkeiten entsprechend lokal an den Entscheidungsprozessen teil

....Fahrradmitnahme in Bahn und Bus?
In Schleswig-Holstein ein Kapitel mit erheblichem Verbesserungspotential. Eine Fachtagung des Landes hat sich 2009 intensiv mit diesem Thema befasst. Es ist zu hoffen, dass zumindest einige der angesprochenen Punkte umgesetzt werden. So zum Beispiel die Forderungen nach einer  einheitlichen und kostengünstigen Tarifgestaltung  im öffentlichen Verkehr und eines  tragfähigen Angebots im Omnibusverkehr. Beispiele aus anderen Bundesländern setzen hier Maßstäbe

....Tourismusprojekten des Landes?
Ein ganz wichtiger Punkt: Fahrradurlaube sind „in“. Ein Ende des Booms dieser attraktiven Art des Reisens ist allem Anschein nach – so die Informationen von den Touristikmessen dieses Frühjahrs – 2010 nicht zu erwarten. Mit  der  Marke „Bett & Bike“ ist der ADFC auch in Schleswig-Holstein erfolgreich und hat für diese Urlaubssuchenden in der Qualität der Unterkünfte Maßstäbe gesetzt. Bei der TASH (Tourismusagentur Schleswig-Holstein) sind die Zeichen erkannt worden. Mit der  dort angesiedelten „Projektstelle Radtourismus/Infrastruktur“ arbeiten wir vom Landesverband eng zusammen. Gleichwohl... es gibt erheblichen Nachholbedarf bei  der Qualität im Radwegenetz. Noch kein Radfernweg in Schleswig-Holstein hat eine ADFC-Zertifizierung. Ich habe die Befürchtung, dass unser Land seine von der Natur so reichlich gegebenen Möglichkeiten auf nicht ausschöpft. Fahrradurlauber sind uns lieb und wichtig – wertvoll werden sie, wenn sie zu Hause von den hervorragenden Bedingungen für einen Fahrradurlaub in Schleswig-Holstein berichten können und neue Urlauber werben.

Wie benutzt du das Fahrrad im Alltag, für Ausflüge, im Urlaub?
Mein erster Gedanke ist: Wie erledige ich die Aufgabe mit dem Fahrrad? Da kommen dann so über 5000 km im Jahr zusammen.

Welche Themen sollten in der PMS noch mehr vertreten sein?
Zunächst einmal den „Machern“ einen herzlichen Glückwunsch für die Verjüngungskur, die mit der vorigen Ausgabe erfolgte. Damit wird die PMS noch stärker bei den in Fahrradangelegenheiten Tätigen als Informations- und Diskussionsforum wahrgenommen. Dies mit Herz und Verstand weiter ausfüllen – mehr geht nicht!

Wenn du drei Wünsche für das Radfahren in Schleswig-Holstein frei hättest ...?
...möchte ich in jedem Jahr mehr Menschen treffen, die mit Freude Fahrrad fahren. So ganz im Sinne von http://www.radlust.info/....sollten die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung dem Verkehrssystem Fahrrad die Bedeutung beimessen, die es auf Grund seiner vielfältigen Vorzüge hat....dass es allen anderen und mir noch möglichst lange Zeit nichts ausmacht, wenn der Wind von vorne kommt und ins Gesicht bläst!Vielen Dank für das Interview!

(Fragen: kh)

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