21.07.2014 von Frank Spatzier

Bequem über Stock und Stein: Gefedert sitzen

Radfahren darf gerne komfortabel sein. Einen wichtigen Beitrag dazu liefert die gefederte Sattelstütze, die als Ergänzung zur Federgabel vorwiegend die Stöße des Hinterrades abfängt. Das kommt nicht nur dem Allerwertesten zugute, sondern auch einer entspannten Haltung beim Radfahren.

Schließlich wird die Muskulatur von anstrengenden Halte- und Stützarbeiten entlastet. Aber auch das Material des Fahrrades profitiert, da es geringeren Stoßbelastungen ausgesetzt ist. Grund genug, uns mit der gefederten Sattelstütze zu beschäftigen.   

Zweifellos gehört er zu den Tücken beim Radfahren: der Untergrund, über den man rollt. Die Palette an Ärgernissen ist recht umfangreich und reicht von Schlaglöchern über Feld- und Waldwege bis hin zum so überflüssigen wie verhassten Kopfsteinpflaster. Doch mit Federelementen am Fahrrad lässt sich diesen Störfaktoren wirkungsvoll entgegentreten. 


Während am Vorderrad die Federgabel für Ruhe sorgt, reduziert die gefederte Sattelstütze  die Stoßkräfte des Hinterrads. Beide ergeben ein gutes Team, das durch eine gezielte Bereifung noch unterstützt werden kann. Breite Reifen, die mit etwas geringerem Druck gefahren werden können, sorgen zusätzlich für Laufruhe.

 

Wie wichtig das Thema Federung beim Radfahren ist, wird bei jeder Alltagsfahrt über durchschnittliche Radwege deutlich. Diese werden in aller Regel nur selten ausgebessert und verwöhnen den Radfahrer gerne mit Wurzelaufbrüchen und anderen Stoßerzeugern, die nur allzu häufig zu spät gesehen und daher meist ungebremst überradelt werden. Zuständig für die erste Stoßwelle ist die Federgabel, die die Stoßenergie abfängt, die vor allem Handgelenke, Arme und Nacken belastet.

 

Sekundenbruchteile später überrollt das Hinterrad den Wurzelaufbruch. Bei einem Fahrrad ohne Vollfederung („Fully“) überträgt sich diese Stoßenergie über Sattelrohr und Sattelstütze auf den Oberkörper des Radlers - und insbesondere in den mittleren und unteren Bereich der Wirbelsäule. Was nicht ohne Brisanz ist, da bei aufrechter Sitzposition rund 75% des Körpergewichts auf dem Sattel lasten.


Selbst bei einer sportlichen Haltung sind es noch 66% der Körpermasse, die den Stoßkräften ausgeliefert sind. Diese Masse bildet zudem eine Gegenkraft zu den Stößen, was sich als physikalische Belastung unmittelbar auf den Rahmen und die Laufräder auswirkt. Eine gefederte Sattelstütze entlastet also nicht nur den Fahrer, sondern auch das Fahrrad.

 

Damit sie das tun kann, muss sie über spezielle Eigenschaften verfügen. Dabei ist es hilfreich zu wissen, dass die Stoßrichtung des Sattels im Winkel von 45 Grad stattfindet, da die Nabe des Vorderrades die Achse bildet. Die sehr häufig eingesetzten Teleskop-Sattelstützen entsprechen diesem Winkel jedoch nicht, was Verkantungen zur Folge hat, die aufgrund ihres Reibungsverlustes die Stoßenergie nicht effizient abfedern können.

 

Abhilfe schaffen hier Parallelogramm-Federstützen, deren Federweg auf den 45 Grad - Winkel der Stoßenergie reagieren kann. Diese sind allerdings optisch gewöhnungsbedürftig und teuer in der Anschaffung. 

 

Wichtig bei beiden Typen ist die Einstellung der Federelemente. So kann eine zu geringe Federvorspannung dazu führen, dass der Abstand zu den Pedalen zu gering ausfällt. Generell sollte darauf geachtet werden, dass der optimale Abstand zwischen Sattel und Pedalen bei voller Belastung der gefederten Sattelstütze gewährleistet ist - also dann, wenn man mit vollem Gewicht auf dem Sattel sitzt. Eingestellt wird die Federvorspannung meist an einer Stellschraube an der Unterseite der Sattelstütze. 

 

Abschließend noch ein Wort zu den Federelementen. Hier gibt es zwei Hauptkategorien, nämlich Feder- und Elastomerelemente. Erstere zeichnen sich durch ein sensibles Ansprechen sowie Temperaturunabhängigkeit aus. Elastomere dagegen verhärten sich bei Kälte, was bei kalten tiefen Temperaturen zu schlechteren Dämpfungseigenschaften führt. Bei beiden Techniken muss zudem verhindert werden, dass sich ein Ein- und Ausfedern nicht zum Nachwippen aufschaukelt. Dazu kommt bei Federelementen meist eine ölhydraulische Dämpfung zum Einsatz, während Elastomere durch die Eigendämpfung ihres Materials ein Nachschwingen unterbinden.   


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