27.02.2015 von Frank Spatzier

Aus dem Nähkästchen geplaudert: Die Rechenschaftsberichte des Landesvorstands

Heinz-Jürgen Heidemann gratuliert Ines Pretzlaff

Der Landesvorstand zählt neben der Landesversammlung zu den zwei Organen des ADFC Schleswig-Holstein (ADFC-SH). Seine Aufgabe ist laut Satzung die Führung der laufenden Geschäfte sowie die Durchführung der Beschlüsse der Landesversammlung. Aus diesem Grunde müssen die Vorstandsmitglieder Rechenschaft über ihre Arbeit ablegen.

 

Seit dem Beschluss zur Neuregelung der Ordnung des Landesvorstands vom September 2012 besteht dieser nicht mehr aus einem Vorsitzenden und mehreren Beisitzern. Vielmehr bearbeiten die Vor- standsmitglieder bestimmte Teilgebiete als stellvertretende Vorsitzende eigenständig. Deshalb legen die Vorstandsmitglieder auch individuell Rechenschaft über ihre Arbeit ab.

 

So wird ein ausführlicher Einblick in die operative Arbeit des Landesvorstands möglich. Kurz: Mitglieder können erkennen, was der Landesverband unternommen hat, um ihre Interessen als Radfahrer zu vertreten.

Heinz-Jürgen Heidemann und Flemming Meyer

BEREICH DES VORSITZENDEN, HEINZ-JÜRGEN HEIDEMANN (STRATEGISCHE LEITUNG, AUSSENKONTAKTE MIT GRUNDSATZCHARAKTER ZU POLITIK UND LANDESVERWALTUNG, ADFC-BUNDESVERBAND UND SONSTIGE LOBBYARBEIT, LEITUNG DER LANDESGESCHÄFTSSTELLE)

Zunächst einmal ist eine positive Mitgliederentwicklung festzustellen (plus 6,7 % zwi- schen September 2013 und 2014). Der Dank des Vorsitzenden geht dabei an alle, die den Ver- band durch Werbung unterstützt haben. Dazu zählen neben Mundpropaganda auch Aktionen wie „Mit dem Rad zum Einkaufen“ und ähnli- ches. Wichtig ist dabei, dass das Thema „Fahrrad“ eine breite öffentliche Wahrnehmung findet. Auch ist ein starker ADFC vor Ort Garant für eine gute Lobbyarbeit.

Mit der Anerkennung der Landesgeschäfts- stelle als Tätigkeitsbereich für eine FÖJ-Stelle (Freiwilliges Ökologisches Jahr) hat eine weitere gesellschaftliche Verankerung der Verbandsarbeit stattgefunden. Derzeit verstärkt Carlotta Muleit das Kieler Team.

Mit Plön und Rendsburg-Büdelsdorf wurden im Berichtszeitraum zwei neue Ortsgruppen gegründet. Schwieriger ist die Situation im Kreis Ostholstein. Dort ist eine klassische Ortsgruppenarbeit zurzeit nicht möglich, vielmehr findet eine flexible und dezentrale Organisationsform statt, um verkehrspolitisch präsent zu sein.

Auf der Bundesversammlung 2013 in Aachen wurde ein Antrag des Landesverbands zur Fahrradmitnahme in allen Fernzügen eingebracht, der dort leider keine Mehrheit fand. Am dreimal jährlich tagenden Bundeshauptausschuss war der ADFC-SH mit dem ihm zustehenden Delegierten vertreten und konnte die Standpunkte des Landesverbands deutlich machen. Als bundesweite Diskussionsplattform versteht sich das jährlich stattfindenden ADFC-Forum. Auch daran hat sich der Landesverband beteiligt.

2013 ist eine finanzielle Unterstützung durch den Bundesverband im Rahmen der Maßnahme „Organisationsentwicklung kleiner Landesverbände“ angelaufen. Dazu fand ein Evaluierungsgespräch mit Maren Mattner und Thomas Baur vom Bundesvorstand sowie dem Vertre- ter der Geberländer statt. Probleme sind nach dem positiven Ausgang des Gesprächs nicht zu erwarten.

Unbefriedigender sieht die Zusammenarbeit mit Politik, Verwaltung und Behörden aus - zumindest im Hinblick auf die Forderung der Ministerialverwaltung nach Beantragung einer Erlaubnis von Fahrradtouren. Ohne eine solche Erlaubnis könnte eine Ordnungswidrigkeit vorliegen, und der ADFC sieht Regelakzeptanz als hohes Gut an. Ein Klärungsversuch des Sach- verhalts mit Staatssekretär Ralph Müller-Becker verlief ohne Reaktion. Auch ein Schreiben, das Verkehrsminister Reinhard Meyer durch den Vorsitzenden persönlich übergeben wur- de, blieb unbeantwortet. Als Folge wurden die Gliederungen gebeten zu prüfen, ob örtliche Behörden eine Erlaubnisbeantragung verlangen. Insgesamt ist in dieser Sache keine wesentliche Veränderung der Ausgangslage zu erkennen. Abzuwarten bleibt, ob der vom Ministerium angekündigte Leitfaden zur Klärung beiträgt.

Als Vorsitzender arbeitet Heinz-Jürgen Heidemann im Beirat der Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein mit und wurde weiterhin in den Projektbeirat der Aktivregion „Holsteiner Auenland“ gewählt.

Auf Anregung des Landesverbands wurde in Schleswig-Holstein erstmals ein landesweiter Fahrradgottesdienst abgehalten. Die Predigt hielt Bischof Gothard Maargard, der auch an der gut angenommenen Fahrradtour nach dem gemeinsamen Mittagessen teilnahm. Für das Jahr 2015 ist eine gleiche Veranstaltung ge- plant. Es hat sich damit eine gute Zusammenar- beit zwischen Landesverband und Nordkirche aufgebaut.

Insgesamt ist das Thema Radfahren immer weiter ins öffentliche Bewusstsein gerückt, was nicht zuletzt auf die Medienarbeit des ADFC zurückzuführen ist. Auch die Mitglie- derentwicklung ist ein Zeichen wachsenden Erfolges. In diesem Sinne müssen Kampagnen- fähigkeit und Einflussmöglichkeiten weiter ver- bessert werden.

 

BEREICH VERKEHR: REINER HINSCH (ÖPNV, VERKEHRSPOLITIK, INTERNE STRUKTUREN)

Im Bereich Radverkehr hat der ADFC-SH viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben und ist bei Stadt- und Kreisverwaltungen für die Verbesserung Radverkehrsinfrastruktur eingetreten. Erreicht wurde auch die Neuausschilderung der Benutzungspflicht von Radwegen sowie Entfernung der Benutzungspflicht.

Um den Dschungel des Schleswig-Holstein-Tarifs zu lichten, hat sich der ADFC-SH für einen Vereinfachung eingesetzt und für ei- nen einheitlichen Tarif geworben, der nur eine Fahrradkarte vorsieht. Auch wurde die Erstellung des Landesweiten Nahverkehrsplans begleitet und Korrekturanregungen eingebracht. Für den ADFC-SH ist es wichtig, dass in einem touristisch geprägten Land wie Schleswig-Holstein die Fahrradmitnahme im ÖPNV einfach und problemlos ist. Das muss auch für für Sonderbauformen wie Tandems oder Lastenräder gelten. Der ADFC-SH ist zudem im landesweit tätigen Fahrgastbeirat vertreten.

Vertreten ist der ADFC-SH auch im Fachauschuss Öffentlicher Verkehr des Bundesverbandes. Dieser fordert eine Fahrradmitnahme in Fern- und Hochgeschwindigkeitszügen. Leider hat der Bundesverband die Forderung nach einer Fahrradmitnahme in ICE-Zügen eingestellt und scheint auch sonst kein Interesse mehr an diesem Thema zu haben. Für den ADFC-SH ist die Fahrradmitnahme in ICE-Zügen jedoch eine wichtige Forderung.

 

BEREICH FINANZEN / SCHATZMEISTER: SÖNKE LUNDING (BUDGETPLANUNG, ANSPRECH- PARTNER BEI BUCHUNGSFRAGEN)

Im Vordergrund steht die Prüfung, ob Vereinsmittel verantwortungsbewusst und satzungskonform eingesetzt wurden. Dies war immer der Fall. Bei der Erstellung eines rechtssicheren Jahresabschlusses wurde die Buchhaltung des Landesverbands von der Steuerbera- terkanzlei Riese unterstützt.

So konnte auf Grundlage eines vergleichs- weise überschaubaren Haushalts viel zur Absicherung und langfristigen Entwicklung des ADFC-SH beigetragen werden. Dies ist nicht zuletzt auch dem ehrenamtlichen Engagement vieler aktiver Mitglieder zu verdanken.

Interessierte Mitglieder des Landesverbands haben übrigens die Möglichkeit, Einblick in die auf der Landesversammlung vorgetragenen Auswertungen, den Jahresabschluss 2013 so wie die Haushaltsplanung zu erhalten. Dazu muss ein Termin mit der Landesgeschäftsstelle vereinbart werden.


BEREICH TOURISMUS: INES PRETZLAFF (RADFERNWEGE, TOURISTISCHE STRUKTUREN)

Im Bereich Tourismus bildet die Betreuung von Bett + Bike einen wichtigen Schwerpunkt. Zurzeit befindet sich Bett + Bike in einer Phase der Umstrukturierung, die vom Bundesverband initiiert wurde. Ziel ist die Gründung einer GmbH und die Einstellung eines Geschäfts- führers. Auch soll eine neue Datenbank ein- gerichtet werden. Leider dauert die Umstrukturierung länger, als geplant. So wird sich der Aufbau von Erneuerungen wie etwa Bett + Bike Sport oder Bett + Bike Ferienhaus verzögern.

Vertreten war der ADFC-SH auf der Bett + Bike - Sitzung in Fulda, der Fachtagung Radverkehr in Kiel sowie der Fahrrad- und Wandermesse Traumpfade in Lübeck.


BEREICH MEDIENARBEIT: FRANK SPATZIER (MANAGEMENT EIGENER MEDIEN, DARSTEL- LUNG DES ADFC-SH IN FREMDMEDIEN)

Schon längst ist der ADFC-SH ein politisch aktiver Lobby- und Interessenverband von erheblichem Gewicht geworden. Für erfolgreiche Lobbyarbeit ist Kommunikation ein zentraler Faktor, denn sie transportiert Interessen in gesellschaftliche Diskurse. Außerdem erhöht sie die öffentliche Wahrnehmbarkeit des ADFC-SH.

Genau in diesem Funktionsbereich ist die Zeitschrift PETT MAN SÜLM anzusiedeln. Sie informiert über Verbandsinterna, ist Plattform für verkehrspolitische sowie andere fahrradbezogene Themen und unterhält. Sie wendet sich nicht nur an Mitglieder, sondern auch an alle anderen interessierten Menschen im Land.

Dazu bedarf es eines hohen qualitativen Niveaus - inhaltlich wie äußerlich. Besonders Aufmachung und Layout spielen eine große Rolle, denn sie entscheiden über den Erfolg beim Leser. Gleiches gilt für textliche Inhalte. Hier wird Wert auf einen ansprechenden Schreibstil gelegt, was Sorgfalt beim Verfassen eigener und Redigieren fremder Texte erfordert.

Auch regelmäßige Erscheinungstermine sind qualitative Merkmale. Hier hat die Redaktion der PMS gemeinsam mit der Landesgeschäfts- führung und ihren Mitarbeiterinnen feste Erscheinungstermine festgelegt. Diese sind künftig der 31. Januar, der 30. April, der 30. Juni sowie der 30. September. So ist die PMS stärker in der Hauptsaison präsent. Die Erscheinungs- weise ist so auch an wichtige Ereignisse wie die Fahrradmessen in Hamburg und Lübeck ange- passt.

Ein weiteres Ziel ist die Reduzierung des Kos- tendefizits der PMS. Diese wurde auch im Ent- wicklungsplan für kleine Landesverbände mit dem Bundesverband vereinbart. Angestrebt werden soll eine Kostendeckung. Doch eine Kostensenkung durch massive Einsparungen bei Auflage, Seitenzahl oder Papierqualität wird als problematisch angesehen. Ein Abrücken von einem einmal erreichten Qualitätsstandard steht den kommunikativen Funktio- nen der PMS entgegen.

Beschlossen wurde, nach günstigeren Dru- ckereiangeboten zu suchen. Ebenso ist eine Optimierung der Anzeigenakquise und -verwal- tung auf den Weg gebracht worden. Geprüft wird, ob ein länderübergreifender Anzeigen- verbund eingerichtet werden kann. Schon jetzt ist es gelungen, durch Reduzierung von Auflage und Seitenumfang sowie der Erhöhung des Anzeigenaufkommens eine deutliche Kos- tensenkung um Vergleich zum Vorjahr zu er- reichen. Die Kostensituation stellt sich also als tendenziell positiv dar.

Auch im Internet der ADFC-SH mit seiner Ver- bands-Website (www.adfc-sh.de) sowie der PMS mit ihrer Online- und Facebookpräsenz stark vertreten. An Verbesserung und Ausbau der Onlinemedien wird kontinuierlich gearbeitet. So ist der ADFC-SH in Sachen Kommunikation stets auf der Höhe der Zeit. Dies ändert jedoch nichts daran, dass mit der PMS ein qualitativ hochwertiges Printmedium auch weiterhin beibehalten wird.

Präsent war die Redaktion der PMS auch au den Radreisemessen in Hamburg und Lübeck. Gute Gelegenheiten, um Feedbacks aus der Leserschaft zu erhalten. Viele Leser wünschten sich eine dabei eine betont kritische Haltung der Redaktion. Das deckt sich mit dem Ziel, die Interessen des ADFC-SH offensiv in der Öffentlichkeit zu kommunizieren.

 

BEREICHE VERKEHRSPOLITIK, FAHRRADBEZOGENE INFRASTRUKTUR, JUGENDARBEIT UND VERKEHRSPÄDAGOGIK: ANDREAS TEEGEN

Durch die Mitarbeit an der Kommentierung des Landes-Nahverkehrsplans (NLVP) sowie dem „Programm fahrradfreundliches Schleswig-Holstein 10-Punkte-Programm 2014 - 2020“ konnten die Interessen des ADFC-SH in diese Projekte eingebracht werden. Gleiches erfolgte beim Regionalen Nahverkehrsplan (RNVP) des Kreises Bad Segeberg. Weiterhin wurde Unterstützungsarbeit bei der Anhörung zum Bahnnetz beim Wirtschaftsausschuss Schleswig-Holstein geleistet. Ziel war stets, die Möglichkeiten der Fahrradmitnahme im öffent- lichen Nahverkehr zu verbessern.

Auf lokaler Ebene wurde der der ADFC Bad Segeberg bei seinen Aktionen zur Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht unterstützt. Dazu wurde auch der Landkreis Bad Segeberg angeschrieben.

In Sachen Jugendarbeit wurde Aufklärungsarbeit darüber geleistet, wie wichtig eine funktionierende Fahrradbeleuchtung in der Dunkelheit ist. Die Verkehrssicherheitsaktion „Schon gecheckt“ wurde im Sinne der Ziele des ADFC-SH kommentiert und für bessere Fahrrad- und Schulwege die Werbetrommel gerührt. In Rahmen der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ wurden die berufsbildenden Schulen in Schleswig-Holstein angeschrieben, um sie zur Teilnahme zu animieren.


fs/ Heinz-Jürgen Heidemann, Reiner Hinsch, Sönke Lunding, Ines Pretzlaff, Andreas Teegen, fotos: fs





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