24.10.2011 von Frank Spatzier

Auch der ADFC Schleswig-Holstein reagiert auf Ramsauers Forderung nach Helmpflicht

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat zugeschlagen. Ziel seiner Attacke: Radfahrerinnen und Radfahrer, denen der christsoziale Bayer mit einer Helmpflicht zu Leibe, oder besser: zu Kopfe rücken will. Dabei scheint es ihm weniger um die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer zu gehen. Vielmehr soll versucht werden, motorisierte Verkehrsteilnehmer samt Autoindustrie weiter aus der Verantwortung zu entlassen. Eine Verkehrspolitik, die angesichts wachsender Radverkehrsanteile sowie der Notwendigkeit nachhaltiger Mobilitätskonzepte zur Farce verkommt.

Natürlich ließ die Kritik des ADFC nicht lange auf sich warten. Und auch Deutschlands nördlichster Landesverband ergriff die Gelegenheit zu einer spontanen Äußerung: In einem Beitrag auf "17:30 SAT1 REGIONAL" (19.10.2011) wurde auch Heinz-Jürgen Heidemann, Vorsitzender des ADFC-Schleswig-Holstein, zu Wort gebeten.

Mal wieder die Helmpflicht für Radfahrer. Ein Thema, das das Zeug zum Polarisieren hat. Doch fasst man nüchtern alle Pros und Contras zusammen, ergibt sich ein Überhang der Nachteile. Daher auch die Empfehlung des ADFC, dass die Frage „oben mit oder oben ohne?“ jedem selbst überlassen sein soll.

Was der ADFC aber eindeutig ablehnt, ist eine gesetzliche Helmpflicht für Radfahrer. Denn diese würde den Anteil des Radverkehrs erheblich reduzieren. Verständlich, denn wer keine Helme mag oder keinen besitzt, wird sich lieber hinters Steuer als auf den Sattel setzen. Und das wiederum führt zu einer höheren Gefährdung der verbleibenden Radfahrerinnen und Radfahrer. Auch verständlich, denn eine geringere Präsenz von Zweirädern führt zu einem geringerem Gefahrenbewusstsein der Autofraktion, ganz nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“ (weitere Infos zur Position des ADFC auf der Website des Bundesverbands).

Wissenschaftlich fundierte Tatsachen, die leider noch nicht bis zum Schreibtisch Peter Ramsauers vordringen konnten. Oder falls doch, sofort die Ablage Papierkorb kennenlernen durften. Denn kaum anders ist es zu erklären, dass der Bundesverkehrsminister auf einer Berliner Pressekonferenz jüngst die Helmpflicht für Radfahrer ins Spiel brachte. Diese nämlich wolle er einführen, sollte die Helmtragequote der Fahrradfahrer in den nächsten Jahren nicht auf über 50% steigen, so der CSU-Mann. Natürlich nur im Dienste der Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer. Schließlich käme jeder zweite Radfahrer durch eine vermeidbare Kopfverletzung ums Leben.

Ob man seine Sorge ernst nehmen darf? Wohl kaum. Immerhin ist Ramsauer nicht gerade als engagierter Wahrer von Radfahrerinteressen bekannt. Dafür eher als KFZ-affiner Hardliner, der „Radfahren nur aus der Windschutzscheibenperspektive“ kennt, wie ADFC-Bundesgeschäftsführer Horst Hahn-Klöckner mutmaßt. Zu Recht, schließlich hat Ramsauer vor, die Bundesmittel für den Radverkehr 2012 von 80 auf 60 Millionen Euro zusammen zu streichen. Technische Sicherungsmaßnahmen an KFZ und LKW sind für ihn kein Thema, dafür betitelt er Radfahrer schon mal gerne als rowdyhafte „Robin Hoods der Straße“.  

Spätestens hier muss es „Klick“ machen. Mehr Sicherheit für gefährdete Pedalisten? Mitnichten. Sorge um Verkehrsteilnehmer ohne Knautschzone? Keine Spur. Entschleunigung und räumliche Ausdünnung des  Autoverkehrs? Bloß nicht! Dafür der durchschaubare Versuch, die übermotorisierten und kognitiv überforderten KFZ-Ritter aus der Verantwortung zu nehmen. Und so lautet - frei übersetzt - die eigentliche Botschaft unseres Bundesverkehrsministers: „Selber schuld, wer sich auf einem Fahrrad ins Verkehrsgetümmel der Autos stürzt!“ 

Dagegen hilft nur eins: eine starke Fahrradlobby - Und natürlich:  Mitglied werden, wer es noch nicht ist!     

 

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