22.07.2014 von PETT MAN SÜLM! Redaktion

Abtritt für die Demokratie - Carsten Kramer kandidiert nicht mehr zum Vorsitzenden des ADFC Lübeck

Acht Jahre lang war Carsten Kramer Vorsitzender des ADFC-Kreisverbands Lübeck. Auf der kommenden Mitgliederversammlung möchte er sich nicht mehr zur Wahl stellen und Platz für einen Nachfolger machen. Wir haben mit einem der prägenden Köpfe des ADFC in Schleswig-Holstein gesprochen.


PMS: Carsten, warum möchtest Du nicht mehr zum Vorsitzenden des Kreisverbands Lübeck kandidieren?

 

Carsten Kramer: Weil ich das für demokratisch wichtig halte. Seit acht Jahren bin ich nun in diesem Amt. Und man darf nicht vergessen, dass ein Vorsitzender den Verein stark prägt. Also wird es Zeit, mal jemand anderes ans Ruder zu lassen, damit es nicht zu einseitig wird.

 

PMS: Nun wird ein Nachfolger gesucht. Wird es ein neuer Vorsitzender oder eine neue Vorsitzende nicht schwer haben? 

 

CK: Keineswegs. Der Vorsitzende prägt mit seinem Interessenschwerpunkt die Aufgaben des Verbands. Meine Prioritäten lagen zum Beispiel im verkehrspolitischen Bereich - vielleicht dominieren demnächst ja andere Schwerpunkte den Kreisverband. Außerdem steht ihm oder ihr ein kompetenter Vorstand mit Rat und Tat zur Seite. Für Unterstützung ist also gesorgt, sollte der Einblick anfangs nicht so groß sein. Natürlich werde ich eine ausführliche „Übergabe“ an meinen Nachfolger durchführen.

 

PMS: Wie wirst Du Dich in Zukunft im Kreisverband Lübeck engagieren?

 

CK: Ich bleibe natürlich weiterhin ein aktives Mitglied, möchte aber keine Ämter mehr im Vorstand übernehmen. Höchstens eine abgegrenzte Mitarbeit bei Projekten wäre denkbar.  

 

PMS: Wir Dir das Amt nicht fehlen?

 

CK: Nein. Ich kann mir gut vorstellen, mich in anderen Bereichen auch außerhalb des ADFC zu engagieren.

 

PMS: Was sind die wichtigsten Erfolge, die der ADFC Lübeck unter Deinem Vorsitz verbuchen konnte?

 

CK: Wir haben zu Beginn eine Aufstellung gemacht, was Lübeck in Sachen Radverkehr dringend braucht. Wenn wir heute schauen, was davon alles umgesetzt wurde, können wir durchaus zufrieden sein. Da wäre zum Beispiel der Runde Tisch Radverkehr, der auf unsere Initiative hin zustande kam. Zu den auffälligsten konkreten Verbesserungen, die wir erwirkt haben, zählt der Radfahrstreifen in der Kanalstraße. Dazu kommt unsere Radreise- und Wandermesse Traumpfade, mit der wir die meisten Menschen erreichen. Aber auch mit unserer Aktion „Geisterradler? fahr fair - fahr rechts“ haben wir eine Sensibilisierung dafür erreicht, wie gefährlich das Fahren auf der linken Seite ist. In Lübeck gibt es noch einen viel zu hohen Anteil linksseitiger Radwege, die sogar benutzungspflichtig sind. Für meinen Nachfolger gibt also noch allerhand zu tun.

 

PMS: Und dazu gehört angesichts der Altersstruktur des ADFC sicher auch, Jüngere für den Verband zu begeistern.

 

CK: Auf jeden Fall. Aber das ist keine leichte Aufgabe, denn in der jüngeren Generation ist eine gewisse Vereinsmüdigkeit zu beobachten. Man organisiert sich eher spontan, wie etwa bei den Critical Mass - Aktionen, die wir sehr begrüßen. Doch Interesse an aktiver Verbandsarbeit im ADFC gibt es selbst dort weniger. 

 

PMS: Blicken wir noch einmal auf Lübeck. Was sind dort die größten verkehrspolitischen Baustellen?

 

CK: Ganz einfach: Der ehemalige Lübecker Fahrradbeauftragte Hans-Walter Fechtel hat eine Liste mit verkehrspolitischen Zielen erstellt. Daran kann sich die Bürgerschaft ganz konkret messen lassen, was sie für den Radverkehr getan oder unterlassen hat. Der ADFC sollte darauf achten, dass die darin genannten Ziele auch in zeitlicher Hinsicht erreicht werden. Dafür ist viel mehr Geld für den Radverkehr nötig. Hier müsste zum Beispiel bei den verkehrspolitischen Sprechern der Bürgerschaftsfraktionen nachgefragt werden, welche finanziellen Mittel bereitgestellt werden sollen. 

 

PMS: Wie sieht es mit Deiner eigenen Mobilität aus? Besitzt Du ein Auto?

 

CK: Nein. Ich hatte mal eins, fuhr aber so wenig, dass mir Fixkosten einfach zu hoch waren. Nun bin ich fast ausschließlich mit dem Rad unterwegs - diesen Geiz leiste ich mir einfach. Für die seltenen Fälle, in denen das Fahrrad nicht ausreicht, gibt es Car-Sharing.  

 

PMS: Mal eine andere Frage: Hast Du außer Radfahren und dem ADFC noch andere Hobbys oder Leidenschaften?

 

CK: Ja. Ich engagiere mich stark im kirchlichen Bereich und dort haben wir auch eine Patenschaft mit einer Gemeinde in Tansania übernommen.

 

PMS: Carsten, vielen Dank für das Gespräch.

 

Mit Carsten Kramer sprach Frank Spatzier


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